Marie-Claire Blais

Drei Nächte, drei Tage

Roman
Cover: Drei Nächte, drei Tage
Suhrkamp Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783518225165
Gebunden, 391 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem kanadischen Französisch von Nicola Denis. Eine sonnendurchflutete Insel, irgendwo im Golf von Mexiko. Hier leben Menschen in Reichtum, andere in extremer Armut. Und hier versucht eine Frau namens Renata sich nach einem Eingriff auszukurieren. Doch ihre Unruhe gilt nicht nur ihrer Gesundheit, Renata schwankt zwischen hedonistischen Ausschweifungen und der Verantwortung für andere, zwischen der Schönheit der Welt und ihrer Ungerechtigkeit. Währenddessen finden auf der ganzen Insel Festivitäten statt - man feiert die Geburt eines Kindes und das Ende des 20. Jahrhunderts -, es versammelt sich ein schillerndes Ensemble an Charakteren: Künstler, Drag-Queens, Ku-Klux-Klan-Mitglieder, Kinder, die in unschuldige Spiele vertieft sind, Geflüchtete der benachbarten Inseln. Sie alle verbindet eine innere Zerrissenheit und das unausweichliche, sie umgebende Meer. "Drei Nächte, drei Tage" ist das Porträt eines tropischen Inselkollektivs zwischen Exzess und Verzweiflung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.11.2020

Rezensent Niklas Bender betont, dass die Romane der Frankokanadierin Marie-Claire Blais hierzulande schon längst hätten entdeckt sein können und müssen, bereits 1967 wurde ihr großer Roman "Schwarze Winter" erstmals übersetzt. Aber auch mit "Drei Nächte, drei Tage" lässt sich die Autorin hervorragend entdecken, versichert Bender. Blais folgt darin einer Schar illustrer Figuren - Anwältin, Richter, Schriftsteller, Museumsdirektorin und eine sich prostituierende Pfarrerstochter -, nach denen Tod und Gewalt ihre Fühler ausstrecken. Sehr existenziell findet Bender das, sehr intensiv, aber nicht leicht zu lesen: Blais ist einer modernistischen Erzählweise verpflichtet, die den Gedanken der verschiedenen Figuren ohne Unterteilung in Absätze oder Kapitel freien Lauf lasse, allein strukturiert durch den "Rhythmus der Gedanken". Bender bewundert die Prosa dieser Autorin sehr, die er als schneidend, präzise und biegsam "wie ein Florett" beschreibt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2020

Ulrich Rüdenauer freut sich schon auf weitere Übersetzungen aus dem Zyklus, aus dem dieser 1959 erschienene Roman von Marie-Claire Blais stammt, vor allem, wenn sie so brillant gelungen sind wie die von Nicola Denis. Das Buch überfordert Rüdenauer zwar anfangs etwas durch seine unbedingte Modernität, den weitgehenden Verzicht auf Absätze, Satzpunkte und Kapiteleinteilungen. Aber dann! Ist Rüdenauer erst dabei, hält er das für eine "schöne Überforderung" und stürzt sich hinein in den "fiebrigen" Figurenreigen und das Fest, das die Autorin gegen Ende des 20. Jahrhunderts auf einer Karibikinsel inszeniert. Hier geht es um die Gönnerhaftigkeit der Philanthropen und um den Rassismus des Südens, um Verzweifelte und Verlorene, die die Autorin im fliegenden Wechsel als polyfonen Chor zu Wort kommen lässt, wie Rüdenauer erläutert. Für den Rezensenten eine famose göttliche Komödie, in der sich die Krisen der Gegenwart bereits ankündigen.
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