Bereits den Zeitgenossen galt Raffael als "Gott der Malerei", als Meister der klassischen Schönheit, als Genie im Umgang mit Farben und Formen, Licht und Schatten - in allen Medien und Techniken, die er erprobte. Ulrich Pfisterer rekonstruiert überzeugend die Zusammenhänge zwischen dem tatsächlichen Leben des Künstlers, seiner wirkungsvollen Selbstinszenierung und den verklärenden Vorstellungen von Zeitgenossen und Nachwelt. Dabei nimmt er Raffaels vielfältiges Werk umfassend in den Blick: von den berühmten Madonnenbildern über die großartigen Fresken im Vatikan bis hin zu seinem Wirken als Architekt, Dichter, Antiquar und Theoretiker. Als Leiter einer großen Werkstatt bewies das Multitalent viel unternehmerisches Geschick und nutzte als einer der ersten die Druckgraphik zur Verbreitung seiner Bildideen und zur Etablierung seines europaweiten Ruhms.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2019
Stefan Trinks kommt mit dem Buch des Kunsthistorikers Ulrich Pfisterer dem großen Madonnenmaler ein Stück näher, wenngleich Raffael wegen des allgemeinen Mangels an Fakten über sein Leben und Wirken für ihn auch nach der Lektüre rätselhaft bleibt. Originell und kurzweilig findet er Pfisterers laut Rezensent an Michael Baxandalls Kunstsoziologie angelehnte Erkundung von Raffaels Karriere und der Kunstindustrie der Hochrenaissance. Der Raffael-Kult und der "Eros der Inspiration" sind für Trinks weitere spannende Themen im Band.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.12.2019
Seit Vasari die ersten Künstlerviten schrieb, weiß Rezensent Christian Thomas, werden den großen Renaissance-Malern Genies und Göttlichkeit angedichtet. Bei Ulrich Pfisterer stutzt der Rezensent zwar, wenn er vom "Superkünstler" und seinen "showpieces" liest, aber er trägt es dem Autor nicht nach. Denn Pfisterer zeigt ihm Raffael als einen Maler, der jedes Detail lebendig machte und der mit seinem "visionären Sehen" (Pfisterer) die Kunstgeschichte veränderte. Es war ein "am Jenseitigen" orientiertes Sehen, erklärt der Rezensent, aber auch eine neue Sicht auf den Menschen, ein "lustvolles, erotisches Sehen", in dem der Kritiker die Anfänge der Pornografie wittert.
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