Ulrich Herbert

Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland

Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge
Cover: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland
C. H. Beck Verlag, Münschen 2001
ISBN 9783406474774
Gebunden, 442 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Saisonarbeiter, Fremdarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge - jeder dieser Begriffe markiert eine Etappe in der Geschichte der deutschen Ausländerpolitik. Ausländer waren niemals nur willkommene Arbeitskräfte. Stets waren sie auch Objekte wirtschafts- und bevölkerungspolitischer Kalkulationen sowie Zielscheibe völkischer und rassistischer Diffamierungen. Erstmals zeichnet Ulrich Herbert in dieser Darstellung vom Kaiserreich bis zur Ära Kohl die Geschichte einer Politik nach, deren Ambivalenzen bis heute wirksam sind.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.12.2001

Zuwanderung nur bei blühender Konjunktur: So könnte die Kernthese des Autors Ulrich Herbert lauten. Bereits im 19. Jahrhundert sollten polnische Arbeitskräfte für Arbeit in Landwirtschaft und "aufblühendem Bergbau" angelockt werden, hat der mit "eg" zeichnende Rezensent in dieser "sehr lesenswerten" Untersuchung erfahren. Aus dem selben Grunde sind 1955 auch Italiener durch Anwerbeabkommen in die Bundesrepublik geholt worden, so eg. Doch mit stagnierendem Wachstum änderte sich die politische Ausrichtung, Deutschland hatte ein "Gastarbeiterproblem", übermittelt "eg". Besonders hebt der Rezensent hervor, dass die Studie "erhellenden Einsichten zur Kontinuität nach der Stunde Null" liefere: Italiener seien die erste nationale Gruppe von Gastarbeitern gewesen - und wurden als Zwangsarbeiter 1939-1945 besonders schlecht behandelt. Nach Kriegsende wurde der Zwangsarbeitereinsatz nach Auskunft des Autors zum "kriegsbedingten Sonderfall" verklärt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.2001

Lange und ausführlich berichtet Rudolf Morsey in seiner Besprechung über die Geschichte der Ausländerpolitik von 1880 bis in die Gegenwart über einzelne Stationen der deutschen Geschichte im Umgang mit Saison-, Zwangs- und Gastarbeitern sowie die Flüchtlingspolitik der Bundesrepublik. Die komplexe Thematik ist in der Innenpolitik ein Dauerthema und Ulrich Herbert, so der Rezensent, biete für eine sachgerechte Argumentation reichlich Stoff. Seine Untersuchung bietet nur in dem Zeitraum 1973 bis in die Gegenwart wirklich Neues, informiert Morsey. Das Buch ist für den Rezensenten ein gelungenes Beispiel dafür, wie man Gegenwartsprobleme mit einer nüchternen Darstellung ihrer historischen Entwicklung verständlicher machen könne. Doch kritisiert Morsey, dass das Buch gegen Ende an Dichte verliere und die Gegenüberstellung der Berichterstattung zum Thema Asyl in einer norddeutschen Boulevardzeitung und einer süddeutschen Zeitung (wer ist da wohl gemeint?) erscheint Morsey als Beleg für pro-contra-Positionen in der Ausländerpolitik ein wenig zu einfach.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.06.2001

Matthias Arning findet die Studie des Zeithistorikers Ulrich Herbert über gut einhundert Jahre Ausländerpolitik in Deutschland sehr aufschlussreich. Vieles habe der Historiker rekonstruiert, was deutliche Analogien zwischen der Debatte über Ausländerpolitik zu Beginn des 20. Jahrhunderts und der aktuellen zutage fördert, berichtet der Rezensent. Das sei nicht zufällig, sondern vom Autor beabsichtigt, behauptet Arning, der Herbert neben der inhaltlichen Struktur des Bandes auch dafür lobt, ganz unaufgeregt und jenseits einer übernommenen Moral ein Plädoyer für politische Klugheit zu halten. Dazu zählt für Herbert wie auch für den Rezensenten vor allem die Rechtssicherheit für lange in Deutschland lebende Ausländer.