Ulrich Bröckling

Postheroische Helden

Ein Zeitbild
Cover: Postheroische Helden
Suhrkamp Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783518587478
Gebunden, 277 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Heldenfiguren gelten heute als suspekt: zu viel Pathos, zu viel Männlichkeitsausdünstungen, zu viel moralischer Zeigefinger. Wir leben, heißt es, in postheroischen Zeiten. Gleichzeitig hat sich die Faszination von Heldengeschichten nicht erschöpft, ja, der Fragwürdigkeit heroischer Vorbilder steht ein schier unstillbarer Heldenhunger gegenüber, der reichlich bedient wird. Lebensretter werden ebenso heroisiert wie Klimaaktivistinnen und Whistleblower, Superhelden bevölkern Filme und Computerspiele, und der Spitzensport liefert kontinuierlich heroisierbares Personal. Mit der globalen Konjunktur populistischer Führergestalten kehren schließlich Heldendarsteller auch auf die politische Bühne zurück. Ulrich Bröckling nimmt diese Gleichzeitigkeit heroischer und postheroischer Leitbilder zum Anlass, den Platz des Heroischen in der Gegenwartsgesellschaft auszuloten. Dazu zeichnet er die Reflexionsgeschichte des Heroismus in der Moderne nach, besichtigt das Figurenkabinett zeitgenössischer Heldinnen und Helden und fragt nach den affektuellen und normativen Dimensionen von Heldenerzählungen sowie nach den Aspekten ihrer Relativierung und Verabschiedung. Sein Fazit: Der Held lebt. Aber unsterblich ist er nicht! Warum das eine gute Nachricht ist, zeigt dieses Buch.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 13.02.2020

Rezensent Michael Opitz freut sich über das Wort "kaputtdenken", das Ulrich Bröckling am Ende einführt für den Umgang mit Leuten und Konzepten, die das Heldische nicht aufgeben wollen. In seinem "gut lesbaren, aber anspruchsvoll geschriebenen" neuen Buch führt uns Bröckling zunächst die alten Helden vor, so Opitz, und benutzt Hegels Definition der "Einbettung" des Individuums in die gesellschaftlichen Institutionen als Wendepunkt für neue bzw. Antihelden der Neuzeit und Moderne. Spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg ist das Konzept des Heldischen jedoch völlig desavouiert, referiert Opitz. Es existierte eine Zeit lang noch als ein nach Innen gerichtetes, heimliches Heldentum, erfahren wir, bis schließlich im Manager-Speak der Achtziger Jahre das "Postheroische" seinen ersten Auftritt hatte. Alles das ist für den engagierten Kritiker wahrhaft "erhellend" - und besonders angetan hat es ihm, wie gesagt, das Denken, das zur Zerstörung eines kriegerischen Begriffs führen kann.