Jahrzehntelang diente die schwarze Mappe der Aufbewahrung von diversen Papieren, die mit Danzig zusammenhingen. Als Fünfzehnjähriger mußte Ulrich Bräuel Anfang 1945 aus seiner Heimatstadt flüchten. Mit der Zeit verblassten die Erinnerungen an den Ort der Kindheit. Erst nach der politischen Wende im Osten 1989/90 und nachdem er auf verschollen geglaubte Manuskripte seines Vaters gestoßen war, nimmt der Autor die Spur zu dem lange zurückliegenden Lebensabschnitt und zu seiner Familiengeschichte wieder auf. Die Fahrt nach Danzig wird eine Reise in die Erinnerung, der Wiederbegegnung mit der Heimat der Kindheit und Jugend. Sie wird aber auch eine Konfrontation mit der politischen Vergangenheit der dreißiger Jahre und der Kriegszeit sowie mit der Gegenwart des polnischen Gdansk.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.10.2002
Sieben Tage ist der 1930 in Danzig geborene Autor in die Vergangenheit gereist und hat Tagebuch geführt. Und Rupert Neudeck, der für die SZ den Band rezensiert, hat den Eindruck, dass Günter Grass mit seinem letzen Buch eine "Pandora-Büchse" öffnete: Vertriebene schreiben auf, was sie lange Jahre mit sich "herumgetragen" haben. Das Tagebuch von Bräuel sei eine Mischung aus Anspielungen auf sein Leben nach der Vertreibung und Kindheitserinnerungen. Dominiert sei die ganze Reise von "sentimentalen Gefühlen", wie Neudeck meint. So philosophiere der Autor über den Wiederaufbau von Danzig ebenso wie über die Negation der deutschen Vergangenheit. "Immerhin", hält ihm der Rezensent zu Gute, "notiert Bräuel auch die Silberstreifen am Horizont deutsch-polnischer Verständigung". Somit bezeugt das Buch laut Neudeck die Bereitschaft der Deutschen, "auf ein Stück eigenen Landes zu verzichten". Im abschließenden fiktiven Zwiegespräch mit dem Vater könne daher der Autor von sich sagen, dass er sich nicht mehr als Vertriebener fühlt, sondern Wurzeln geschlagen hat, "wo Erdreich ist".
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