Ulrich Alexander Boschwitz

Der Reisende

Roman
Cover: Der Reisende
Klett-Cotta Verlag, Suttgart 2018
ISBN 9783608981230
Gebunden, 303 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Deutschland im November 1938. Otto Silbermanns Verwandte und Freunde sind verhaftet oder verschwunden. Er selbst versucht, unsichtbar zu bleiben, nimmt Zug um Zug, reist quer durchs Land. Inmitten des Ausnahmezustands. Er beobachtet die Gleichgültigkeit der Masse, das Mitleid einiger Weniger. Und auch die eigene Angst. Der jüdische Kaufmann Otto Silbermann, ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft, wird in Folge der Novemberpogrome aus seiner Wohnung vertrieben und um sein Geschäft gebracht. Mit einer Aktentasche voll Geld, das er vor den Häschern des Naziregimes retten konnte, reist er ziellos umher. Zunächst glaubt er noch, ins Ausland fliehen zu können. Sein Versuch, illegal die Grenze zu überqueren, scheitert jedoch. Also nimmt er Zuflucht in der Reichsbahn, verbringt seine Tage in Zügen, auf Bahnsteigen, in Bahnhofsrestaurants. Er trifft auf Flüchtlinge und Nazis, auf gute wie auf schlechte Menschen. Noch nie hat man die Atmosphäre im Deutschland dieser Zeit auf so unmittelbare Weise nachempfinden können. Denn in den Gesprächen, die Silbermann führt und mithört, spiegelt sich eindrücklich die schreckenerregende Lebenswirklichkeit jener Tage.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.02.2018

Rezensent Alex Rühle liest Alexander Boschwitzs 76 Jahre nach seinem Entstehen erstmals auf Deutsch erscheinenden Roman mit Gewinn. Viele Leser wünscht er dem von Peter Graf "vorsichtig" lektorierten Buch schon, da er mit der Geschichte des jüdischen Kaufmanns Otto Silbermann als erster und einziger bisher die Tage direkt nach den Novemberpogromen 1938 erzählt. Doch auch das schiere Tempo und dazu die unglaubliche Dichte des Textes nehmen Rühle den Atem. Ein Wunder, meint er, auch, weil Ulrich Alexander Boschwitz nie Schablonenfiguren entwirft, sondern ambivalente Charaktere.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.02.2018

Wie eine Flaschenpost, die 80 Jahre unterwegs war, kommt Andreas Kilb dieser Roman von Ulrich Alexander Boschwitz über das Jahr 1938 vor, der nun, 76 Jahre nach dem Tod des jüdischen Autors, endlich auf Deutsch vorliegt. Die Geschichte von Emigration und Deportation, von Neubeginn und gescheiterten Hoffnungen seines tragischen Helden, des jüdischen Geschäftsmannes Otto Silbermann, erzählt der Autor laut Kilb als Fiktionalisierung des Leids, die ihn an Filme von Hitchcock denken lässt. Herzzerreißend alltäglich, traurig und wahr, meint Kilb.
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