Schon früh empört sich der Dichter Reiner Kunze gegen das politische System. Mit dem Prosaband "Die wunderbaren Jahre" gelingt ihm der Durchbruch. Das Szenario für seinen Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR wird im SED-Politbüro beschlossen, und Hermann Kant ruft ihm nach der erzwungenen Ausreise nach: "Kommt Zeit, vergeht Unrat." In der Bundesrepublik erhält er Preise, wird aber auch attackiert. Am 16. August 2013 begeht der im erzgebirgischen Oelsnitz geborene Kunze seinen 80. Geburtstag. Udo Scheer erzählt aus persönlichem Erleben und im Zeitlauf der Geschichte von diesem gefeierten, unbequemen Dichter, der nach wie vor polarisiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.2013
Reiner Kunze hat einen vielleicht recht typischen Lebenslauf für manch einen Schriftsteller und Lyriker der DDR, scheibt Rezensent Wulf Segebrecht. Kunze hatte sich, anfangs ideologisch noch voll und ganz überzeugt, spätestens nach der Niederschlagung der tschechoslowakischen Demokratiebewegung und seinem anschließenden Austritt aus der SED für die Genossen als Problem dargestellt. Er wurde aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen, zensiert, beobachtet und schließlich zum Antrag auf Ausreise genötigt. Auf dieser "Austreibung" Kunzes aus der DDR liegt der große Schwerpunkt von Udo Scheers Biografie über den Dichter, wahrscheinlich weil diese Jahre die symbolträchtigeren, beispielhafteren sind, vermutet Segebrecht, der allerdings hofft, dass bei der ganzen politischen Aufarbeitung nicht die Kunst der Verfolgten nebensächlich wird.
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