Reisen ist für Jonas Lebensprinzip, Flucht und Suche zugleich. Wohin genau und mit wem er gerade unterwegs ist, scheint ihm beinah egal, solange es nur weitergeht. Das ändert sich, als er in Kirgistan Olga kennenlernt: Jonas ist fasziniert von der verschlossenen Ukrainerin und tut alles, um bei ihr zu bleiben. Zusammen mit Roger und Camille, einem französischen Paar, das sich ungefragt anschließt, verbringen die beiden verträumte Tage an einsamen Badestränden und unruhige Nächte in spartanischen Herbergen; sie reisen durch verlassene Dörfer rund um den Gebirgssee Issyk-Kul, trinken Wodka mit jungen Kirgisen und finden dabei vieles - nur nicht zueinander. Immer wenn Jonas glaubt, Olga näherzukommen, stößt diese ihn wieder von sich. Sie scheint ein Geheimnis zu hüten, das sie nicht preisgeben will. Als dann auch noch die Österreicherin Uta auftaucht und Jonas seine Vergangenheit einzuholen droht, nehmen die Ereignisse einen völlig unerwarteten Lauf… Jan Sprenger lässt vor der mal vertrauten, mal unnahbar fremden Szenerie Kirgistans Zufallsbegegnungen zu einer Schicksalsgemeinschaft werden und zeichnet dabei das Porträt einer Generation, ihrer Art, zu reisen, zu leben - und zu lieben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2012
Ein literarisches Thema hat jedes Jahr aufs Neue Konjunktur, weiß Lena Bopp, und das sind Romane über das Erwachsenwerden. "Kirgistan gibt es nicht", den Debütroman von Jan Sprenger, kann die Rezensentin unter den diesjährigen Beiträgen zur Coming-of-Age-Literatur allerdings nicht besonders empfehlen. Die Liebes- und Reisegeschichte aus der Perspektive eines ennervierend phlegmatischen Erzählers erscheint ihr wie die künstlerisch unbewältigte persönliche Erfahrung des Autors. Außerdem kritisiert sie das Lektorat, die zahlreichen Plattitüden nicht gestrichen zu haben. Bopps ernüchtertes Fazit: "Nichts ist so langweilig wie die Reisetagebücher, Reisefotos und Reiseerinnerungen anderer Leute".
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