Truman Capote

Kaltblütig

2 CDs. Hörspiel. Wahrheitsgemäßer Bericht über einen Mord und seine Folgen
Cover: Kaltblütig
DHV - Der Hörverlag, München 2004
ISBN 9783899403138
CD, 19,95 EUR

Klappentext

146 Minuten; Hörspielbearbeitung und Regie von Irene Schuck. Sprecher Jens Wawrczek, Jens-Holger Kretschmer, Gerhard Garbers u. a. Produktion Bayerischer Rundfunk 2002.
Die wahre Geschichte des Fall Clutter: 1959 überfallen die ehemaligen Häftlinge Richard Hickock und Perry Smith das Haus der wohlhabenden Familie Clutter. Als sie nur 40 Dollar finden, ermorden sie die vierköpfige Familie und fliehen. Truman Capote reiste vor Ort, um Ablauf und Hintergründe des Verbrechens zu ermitteln.

 

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.11.2004

Marion Lühe sieht in der Vertonung von Truman Capotes Romanreportage "Kaltblütig" unter der Regie von Irene Schuck ein Beispiel dafür, "wie schädlich Textkürzungen sein können und wie wenig Hintergrundgeräusche die Spannung steigern". Im Großen und Ganzen bleibt die Struktur durch die eingeschobenen Zitate aus Protokollen, Akten und Briefen und trotz der Verteilung des Berichts auf einen Erzähler und mehrere Figuren "im Wesentlichen" intakt, erklärt sie, doch gleichzeitig wurden auch "wesentliche" Teile gestrichen. Und die zusätzlichen Geräusche findet sie zwar "gut gemeint", doch machten sie alles nur schlimmer. Denn die Wirkung des Romans beruht für Lühe auf Capotes "sparsamen, gänzlich unprätentiösen" Stil, der durch heulende Sirenen und die gelegentlichen schnellen Jazzsequenzen nur konterkariert werde.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.10.2004

Truman Capote hat's selber vergeblich probiert, Irene Schuck tut's einfach: "Kaltblütig" kürzen. Sie hat aus dem Buch keine Hörspielfassung erarbeitet, sondern Teile wörtlich übernommen und andere weggelassen. Und das geht nicht, findet Martin Z. Schröder: "Man muss nur wenige Seiten des Buches lesen, um diesen Verlust unentschuldbar und das Hörspiel missraten zu finden". Die "Tiefenschärfe" gehe unweigerlich verloren, denn Capote habe in beeindruckender Dichte die Milieus und Seelenzustände der Charaktere erfasst. Gekürzt bedeutet hier also ausgedünnt, und die "dürftige" Musik ist da auch nicht hilfreich. Schröder hebt zwar ausdrücklich Jens Wawrczecks sprecherische Gestaltung von Perry, einem der Mörder, hervor, doch das war wohl nur ein kleiner Trost. Insgesamt: eine "große, wahre amerikanische Tragödie", aber ein schlechtes Hörspiel.
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