Deutsch von Dagmar Brunow. Spätestens seit seinem Dogma 95-Film "Die Idioten" ist der dänische Filmregisseur Lars von Trier weltberühmt. Seine Filme sind mit Preisen und Auszeichnungen überhäuft worden. 1995 trafen sich der schwedische Filmemacher und Kritiker Stig Björkman und Lars von Trier zum ersten Mal. Von Trier bereitete damals die Dreharbeiten zu "Breaking the Waves" vor. Eineinhalb Jahre später nahmen sie die Gespräche für dieses Buchprojekt wieder auf und führten sie fort bis zum Erscheinen von "Dancer in the Dark". In den Gesprächen mit Stig Björkman gibt der sonst sehr zurückgezogen lebende Regisseur erstmals ausführlich Auskunft, über sein Filmverständnis, seine Vorbilder von Dreyer bis Disney, über Schauspieler und seine einzigartigen Arbeitsmethoden. Es geht um Phobien und Passionen, Macht und Verrat, den Kampf zwischen Gut und Böse, die Themen seiner Filme und seines Lebens.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.02.2002
Positiv überrascht ist Rezensent Thomas Binotto von Stig Björkmans Interviewbuch. Der Autor biete dem Filmemacher Lars von Trier nicht Raum zur Profilierung, sondern mache ihn "als Menschen" sichtbar, lobt Binotto, dem von Trier so "beinahe sympathisch" werden könnte. Wie von Trier arbeitet, wie er sich entwickelt hat, wer seine Vorbilder sind, das werde angenehm "unterhaltsam, gradlinig und ungekünstelt" präsentiert. Bisher unveröffentlichtes Bildmaterial, besonders zu von Triers ganz frühen Filmen, ermöglichen einen neuen Blick auf den Künstler, freut sich der Rezensent. Gesamturteil: ein schönes Buch, spannend, "sorgfältig gestaltet und exzellent illustriert".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.2001
Andreas Platthaus scheint Lars von Trier nicht leiden zu können. Wohl aber seine Filme - denn "Dancer in the Dark" und "Breaking the Waves" gelten ihm als "Meisterwerke". Alle Vorbehalte - die Egozentrik des Regisseurs und die Gefühlskälte, die Platthaus bei aller Sentimentalität mancher seiner Filme wahrzunehmen glaubt - findet er in dem Interviewband bestätigt. Als Interviewer hat sich der schwedische Bergmann-Spezialist Björkman von Trier an der Nase herumführen lassen, so Platthaus, der Björkman vorwirft, er habe sich durch Triers Reverenzen an Bergmann "korrumpieren" lassen. Björkman entlocke von Trier nichts, schreibt der Rezensent, was nicht schon in Achim Frosts "ungleich klügerer Monographie" gestanden hätte. Dankenswerterweise seien immerhin vier von Triers Manifesten im Band enthalten, der ansonsten schlecht lektoriert sei. Einen Zugang zum "wahren Trier", den Platthaus im Leben für einen Narziss hält, und der darum als uneingestandenes künstlerisches Leitmotiv den Doppelgänger verfolgt, erhalte der Fan durch dieses Buch jedenfalls nicht.
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