Trevor Noah

Farbenblind

Cover: Farbenblind
Karl Blessing Verlag, München 2017
ISBN 9783896675903
Gebunden, 336 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Heike Schlatterer. Trevor Noah kam 1984 im Township Soweto als Sohn einer Xhosa und eines Schweizers zur Welt. Zu einer Zeit, da das südafrikanische Apartheidsregime "gemischtrassige" Beziehungen weiterhin unter Strafe stellte. Als Kind, das es nicht geben durfte, erlebte er Armut und systematischen Rassismus, aber auch die mutige Auflehnung seiner "farbenblinden" Eltern, die einfallsreich versuchten, Trennungen zwischen Ethnien und Geschlechtern zu überwinden. Heute ist er ein international gefeierter Comedian, der die legendäre "The Daily Show" in den USA leitet und weltweit - ob Sydney, Dubai, Toronto, San Francisco oder Berlin - in ausverkauften Sälen auftritt. In "Farbenblind" erzählt Trevor Noah ebenso feinsinnig wie komisch in achtzehn Geschichten von seinem Aufwachsen in Südafrika, das den ganzen Aberwitz der Apartheid bündelt: warum ihn seine Mutter aus einem fahrenden Minibus warf, um Gottes Willen zu erfüllen, welche Musik er für einen tanzenden Hitler aufzulegen pflegte, um sein erstes Geld zu verdienen, und wie ihn eine Überwachungskamera, die nicht einmal zwischen Schwarz und Weiß unterscheiden konnte, vor dem Gefängnis bewahrte.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.03.2017

Als Trevor Noah vor zwei Jahren die "Daily Show" von Mastermind Jon Stewart übernahm, herrschte allgemeine Ratlosigkeit, erklärt Rezensentin Morgane Llanque: Der Öffentlichkeit war der 1984 in Johannesburg als Sohn einer schwarzen Mutter und eines weißes Vaters geborene Komiker bis dahin kaum ein Begriff. Nach anfänglichem Quotensturz habe sich der Komiker sein Publikum jedoch erkämpft und zählt spätestens seit dem Wahlkampf Donald Trumps, den er mit bissig-schelmischen Kommentaren und Interviews begleitet hat, zur unverzichtbaren Speerspitze der politischen US-Late-Shows. Sehr erhellend und praktisch ist vor diesem Hintergrund Trevor Noahs Autobiografie, meint LLanque. Denn Noahs Lebenslauf ist alles andere als gewöhnlich: Die Zumutungen der Apartheid habe er auf besondere Weise miterlebt, denn sexuelle Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen waren seinerzeit illegal. Als Überlebensstrategie in einem Umfeld, das ihm keine Zugehörigkeit zugestand, habe sich Noah für das "Polyglotte" entschieden, referiert die Kritikerin weiter. Auch heute noch zählt zu Noahs hervorstechendsten Talenten die Gabe, zahlreiche Sprachen und Akzente perfekt zu imitieren, so Llanque, die es dem Autor zudem hoch anrechnet, dass er auch auf seine wenig schmeichelhaften Seiten zu sprechen kommt: Als Teenager habe er sich Frauen gegenüber sehr sexistisch verhalten. Auch diese Facette macht aus diesem Buch eine lohnenswerte Lektüre, so das Fazit der Besprechung: Man lerne hier viel darüber, soziale Konstruktionen abzustreifen.