Text von Witold Szablowski. In englischer Sprache. Tomas Gudzowaty zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Fotografen in Polen. Seine Aufnahmen basieren auf filmischen Vorlagen und widmen sich Dingen, die jenseits des Mainstreams in Vergessenheit geraten. Der Künstler fängt Gefühle und Leidenschaften auf eine sublime und äußerst ästhetische, dabei schlichte Weise ein. Die Publikation widmet sich seinem klassischen Fotoessay über das Abwracken aussortierter Tanker: "Keiko" ist die Geschichte eines Ortes und von Menschen, die ihn prägen. Der Künstler hat das Leben von Schiffsabwrackern in Chittagong dokumentiert, der zweitgrößten Stadt Bangladeschs, wo 30 bis 40 Prozent aller jährlich rund 700 außer Dienst gestellten Hochseeschiffe ausgeschlachtet werden. Der Band erinnert daran, dass Arbeit auch heute noch eine physische Herausforderung sein kann, die den Lebensunterhalt zwar sichert, dabei aber auch jeden Spielraum zur Veränderung des Status quo raubt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.02.2013
Schon der Einband von "Keiko" hat es Burkhard Müller angetan. Dieser düstere Bildband von Tomasz Gudzowaty ist ein schwarzer Quader mit bündig abschließendem, schwarzen Buchschnitt, beschreibt er. Die Seiten füllen Schwarz-Weiß-Fotografien gewaltiger Schiffe und jener Menschen, die sie Stück für Stück verschrotten, wenn ihre Zeit abgelaufen ist. Die größeren Industrienationen haben diese Aufgabe, ebenso wie die aufwendige Herstellung der Ozeanriesen, außer Landes verfrachtet, erklärt Müller. Gudzowatys Fotos sind in Bangladesch entstanden. Zunächst frönt der Band einer konsequenten "Schrift-Abstinenz", die zuallererst zum Hinschauen auffordert, dann erst zum interpretieren und urteilen. So bleiben die zwei herausstechenden Diskurse vereint: die gewaltige menschliche Technik und die Ausbeutung der Arbeitskraft im globalen Süden. Die Helden von "Keiko" seien aber nicht die Schiffe, die "unter Billigflaggen fahren, von Billiglohngruppen bemannt und in Billigländern gebaut werden", führt Müller aus, sondern die Menschen, die in schwindelerregenden Höhen mit kleinen Schweißgeräten arbeiten und sich selbst zu beruhigen suchen, indem sie mit den Riesen reden. Die Zahl der tödlichen Unfälle wird geheim gehalten, verrät der Rezensent noch.
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