Aus dem Englischen von Barbara Heller. Voller Ungeduld wartet das bengalische Ehepaar Ashima und Ashoke auf einen Brief von der Großmutter aus Kalkutta. Denn sie muss für den Erstgeborenen des nach Amerika ausgewanderten Paares einen Namen auswählen, so will es die Tradition. Doch welcher Name dem Enkel zugedacht war, wird die Familie nie erfahren. Der Brief ist verloren gegangen und die Großmutter kurz nach der Geburt gestorben. Ashoke nennt seinen Sohn aus einem Impuls heraus Gogol, nach Nikolai Gogol, seinem Lieblingsautor. So beginnt der Junge sein Leben unter falschen Vorzeichen. Eine großes Unglück, glauben seine Eltern, denn nur der richtige, der schicksalhafte Name kann dem Leben Halt geben. Und schließlich wird es das Kind, das in einem fremden Land aufwachsen muss, schon schwer genug haben.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 29.11.2003
Katharina Granzin hat von den preisgekrönten Kurzgeschichten eine gute Erinnerung an das "Lahiri-Land" behalten, und sie ist froh, dass sie mehr davon sehen durfte. Zugeben, an der Grenze gebe es eine "etwas weitschweifige" Exposition zu überwinden, doch dann sei man mittendrin: "eindrückliche Charakterskizzen" und diese berührend intimen Passagen, in denen die Personen ganz beiläufig "anhand der Dinge, die sie umgeben", beschrieben werden. Dabei sind die Grenzen diese Landes thematisch gar nicht so einzigartig abgesteckt: Es gehe, wie bei anderen indischen Amerikanern auch, um die "Fremdheit zwischen zwei Kulturen", die auch den "Namensvetter" Gogol Ganguli plagt. Doch gelingt es Lahiri, so Granzins dickes Lob, Gogols spezielles Fremdsein als "existenzielle Einsamkeit", seine kulturelle Unbehaustheit als allgemein menschliche Erfahrung darzustellen. "Die ganze Schwere des Daseins", schreibt Granzin begeistert, "erhebt sie in einen Zustand der schwebenden Melancholie, der vielleicht die einzige Antwort auf alle Fragen ist".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.11.2003
Auch wenn die "Botschaft in Jhumpa Lahiris Roman weder neu noch Originell" sei, ist Rezensentin Irene Binal sehr angetan von der Geschichte, die sowohl "Familiensaga" als auch "Entwicklungsroman" und "Gesellschaftsbetrachtung" ist - und das auf eine sehr unprätentiöse, leserfreundliche und doch vielschichtige Art und Weise. Anders als das in der indischen Literatur oft der Fall ist, präsentiert die Autorin, die für eine frühere Arbeit schon einmal den Putlitzerpreis gewonnen hat, die Lebensgeschichte eines in den USA lebenden bengalischen Einwanderers in einer nüchternen, schlichten Sprache. Das macht den Roman in den Augen der Rezensentin umso eindringlicher: "Nicht oft findet man ein Buch, das das Sujet des innerfamiliären Kulturkampfes und die Schwierigkeiten jener, die zwischen zwei Kontinenten stehen, so nachvollziehbar macht."
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