Tomas Gonzalez

Am Anfang war das Meer

Roman
Cover: Am Anfang war das Meer
Edition 8, Zürich 2006
ISBN 9783859900950
Gebunden, 174 Seiten, 18,80 EUR

Klappentext

Deutsch von Peter Schultze-Kraft und Gert Loschütz, unter Mitarbeit von Jan Weiz. Mit einem Nachwort von Peter Schultze-Kraft. Dies ist die Geschichte von zwei Aussteigern aus der bürgerlichen Gesellschaft Medellins in den Jahren 1976/ 77. Die Protagonisten, J. und seine Freundin Elena, brechen aus dem oberflächlichen, nur auf Konsum und Vergnügen ausgerichteten Leben der Millionenstadt aus und wollen auf einer entlegenen Finca an der karibischen Küste Kolumbiens neu anfangen. Der Roman schildert ihre Ankunft in einer für sie fremden Welt, ihre Begegnung mit der Kultur der Schwarzen, ihre Anstrengungen, sich in dem heruntergekommenen Landhaus einzurichten und die Finca zu einem einträglichen Unternehmen zu machen. Der Autor zeigt durch die Schilderung weniger wesentlicher Vorfälle, wie dieser Traum von einem neuen, einfachen Leben auf dem Land scheitert. Es ist ein Scheitern auf der ganzen Linie, das Scheitern aller Hoffnungen, Visionen und Pläne: das Scheitern des wirtschaftlichen Projekts, von der Finca leben zu können; das Scheitern von J.'s und Elenas Versuch, sich in der fremden tropischen Welt zu assimilieren; das Scheitern von J.'s und Elenas Beziehung: Elena verlässt die Finca und kehrt nach Medellin zurück; und schließlich J.'s Scheitern als physische Existenz: Das Buch endet mit seinem Tod.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.07.2006

Als einen der beiden würdigen Nachfolger des großen Gabriel Garcia Marquez bezeichnet Hans Christoph Buch den kolumbianischen Autor Tomas Gonzalez - neben dem jung verstorbenen Roberto Bolano. Nur auf den ersten Blick könne der einem als "naiver Realist" erscheinen - in Wahrheit verberge sich hinter diesem stilistischen Äußeren große erzählerische Raffinesse. Erzählt wird in "Am Anfang war das Meer" die Geschichte des Aussteigers J., der sich im zivilisationsfernen und sexfixierten Leben mit seiner Gefährtin das Glück verspricht - und nichts als Alkohol und Elend erntet. Illusionen über den Ausgang des Ganzen lässt einem Gonzalez von Anfang an nicht, so Rezensent Buch. Ja, es stehe dieser Roman in der Reihe eines neuen Existenzialismus, über den freilich zu sagen ist, dass man sich "Sisyphos in der Karibik" nicht mehr als glücklichen Menschen vorstellen müsse oder könne.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.07.2006

Dem Rezensenten Karl-Markus Gauss wachsen die beiden Zivilisations-Aussteiger des Romans umso mehr ans Herz, desto deutlicher ihr innerer Wahn und ihre Verblendung zum Vorschein kommen. Er spricht von einer "Würde im Scheitern" und sieht in dieser paradoxen Konstellation die Qualität von Tomas Gonzalez, der im übrigen selbst als eine Art Außenseiter unter den kolumbianischen Autoren gelten kann. Zum einen sei er ein wortkarger "Stilist", zum anderen blende er die sozialen und politischen Dimensionen seiner Geschichte weitgehend aus. Vielmehr zeichnet er eine Art Psychogramm des Aussteigerpärchens und deren Unfähigkeit, die Verhältnisse, aber auch die Menschen in dem entlegenen kolumbianischen Dorf realistisch einzuschätzen. Dies gelinge dem Autor, lobt der Rezensent, ohne Erklärungen des Erzählers allein durch die Darstellung der Gespräche und der Atmosphäre.
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