Santiago Gamboa

Das glückliche Leben des jungen Esteban

Roman
Cover: Das glückliche Leben des jungen Esteban
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2002
ISBN 9783803131690
Gebunden, 399 Seiten, 19,50 EUR

Klappentext

Aus dem kolumbianischen Spanisch von Stefanie Gerhold. Esteban Hinestroza wächst in einem spannenden Milieu auf: Seine Eltern unterrichten an der Kunstakademie in Medellin und bringen diskutierende und aufgebrachte Studenten mit nach Hause, die den ersten Widerstand gegen die konservative Polizei proben. Abends entführt das Hausmädchen Delia den Jungen in die Welt der südamerikanischen Geschichten und Lieder. Dann zieht Estebans Familie nach Italien...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.07.2003

Die "unerbittliche Logik" des Lebens ist Thema des Romans, in dem der junge Kolumbianer Esteban in Paris seine Karriere als Schriftsteller beginnt, erzählt Aimee Torre Brons. Trotz zahlreicher Traumata und Bürgerkriegserfahrungen ist das Leben des jungen Autors wirklich "glücklich", wie sie erstaunt feststellt. Esteban zieht mit seinen Eltern nach Europa und zurück nach Kolumbien, dann wieder nach Europa, und er beschreibt dabei, was er erlebt, sagt die Rezensentin. Dabei webe er "historische Personen und Ereignisse" in die Erzählung ein, so dass eine persönliche Geschichtsschreibung entstehe. Die "schonungslose Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte" hat Torre Brons ausnehmend gut gefallen. Auch lobt sie die Fähigkeit des Autors, den damaligen Zeitgeist lebensecht darzustellen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2002

Florian Borchmeyer zeigt sich hocherfreut über Santiago Gamboas Roman "Das glückliche Leben des jungen Esteban". Für Borchmeyer ein Titel, "dessen Optimismus fast eine Provokation beinhaltet." Doch Gamboa gelingt seiner Ansicht nach der Beweis, dass Glück, entgegen dem bekannten Gemeinplatz, doch literaturfähig ist. Wie er ausführt, verfolgt der Autor in Form eines schriftstellerischen Bildungsromans das Heranwachsen des Autors Esteban über drei Jahrzehnte, von 1966 bis 1998. In behüteten Verhältnissen aufgewachsen besucht Esteban ein Elitegymnasien, studiert in Italien und Spanien Literatur, erlebt die erste Liebe, wagt erste Schreibversuche, begegnet den ersten literarischen Weggefährten. Schließlich lebt er als kleiner französischer Staatsbeamter in einem Vorort von Paris, ohne nebenberuflich seine literarische Tätigkeit aufgegeben zu haben. Gerade die Anspruchslosigkeit dieser Existenz schärft nach Borchmeyer Estebans Sensibilität für die Existenz der anderen. Vor dem Hintergrund einer sich verdüsternden gesellschaftlichen Lage erwachse Esteban ein Gespür dafür, "welch zerbrechliches Privileg ein jeglicher Monumentalität entbehrendes, ?glückliches Leben' eigentlich beinhaltet." Für Borchmeyer hat Gamboa einen "schlichten Roman" geschrieben, der sich unter Verzicht auf textzertrümmernde oder intertextuelle Experimente bewußt die Blöße des traditionellen Erzählens gebe. Damit gehört er für den Rezensenten zwar nicht in die Kategorie des "Großen Buchs". Dennoch bleibt festzuhalten: "Eben deshalb ist es einer der schönsten lateinamerikanischen Romane, die zuletzt in deutscher Sprache erschienen sind."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.06.2002

Schade! Der erste Roman von Santiago Gamboa hatte dem Rezensenten Kersten Knipp gut gefallen. Mit diesem zweiten Buch ist Knipp dagegen nicht einverstanden. Was ist das überhaupt, fragt sich Knipp - ein Roman oder eine Autobiografie? Gamboa erzähle hier ganz offensichtlich seine eigene Lebensgeschichte, ohne die Grenzen des Genres zu überschreiten. Herausgekommen sei dabei ein "amüsanter und gut lesbarer Lebensbericht", aber eben kein Roman. Knipp kritisiert weiter, dass es dem Autor nicht gelingt, die Erzählfäden zusammenzuhalten, und am Ende verliere der Text dann "vollends den Schwung".
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