Peter Schultze-Kraft (Hg.)

Und träumten vom Leben

Erzählungen aus Kolumbien
Cover: Und träumten vom Leben
Edition 8, Zürich 2001
ISBN 9783859900042
Gebunden, 430 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Eine umfassende Anthologie mit kolumbianischen Erzählungen aus den letzten hundert Jahren. Deutsch von Erich Hackl, Gert Loschütz, Dieter Masuhr, Peter Stamm und anderen. "Wahrscheinlich ist die Literatur der beste Weg, um dieses einzigartige, widersprüchliche, großartige Land zu verstehen", sagt der jüdisch-österreichische Buchhändler Hans Ungar in Bogota. Mit diesem Leitgedanken hat der Herausgeber Peter Schultze-Kraft, der vor 40 Jahren selbst im Herzen der Bananenzone, in Garcia Marquez' Welt Macondo, gelebt hat und der das Schaffen der kolumbianischen Schriftsteller seither als Freund und Förderer verfolgt, eine spannende Sammlung von 70 Geschichten zusammengestellt, die einen guten Einblick nicht nur in hundert Jahre Erzählkunst, sondern auch in die politische, soziale und psychologische Problematik Kolumbiens vermitteln.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.08.2002

Georg Sütterlin stellt in seiner Rezension die dritte von Peter Schultze-Kraft herausgegebene Anthologie zur Literatur Kolumbiens vor. Diese sei in vier chronologisch geordnete Teile gegliedert, wobei die herausragende Stellung Gabriel Garcia Marquez' durchaus hervorgehoben werde. Dennoch kommen hier auch viele größtenteils unbekannte Autoren zu Wort, deren Erzählungen teilweise noch nicht einmal auf Spanisch erschienen sind, lobt der Rezensent. Sprachlich und inhaltlich unterscheiden sich diese oft deutlich von Márquez und seiner "Fabulierfreude", stattdessen geht es besonders um urbane Themen, wobei "sprachliche und formale Mittel fast durchgehend von beachtlichem Niveau" sind, so der Rezensent. Erleichtert werde der Zugang zur kolumbianischen Literatur zudem durch ein Nachwort des Herausgebers, in dem nicht nur die literarische sondern auch die soziale und historische Situation des Landes sowie die persönliche Situation der Autoren skizziert werden, wie Sütterlin begeistert feststellt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.04.2002

Rezensent Karl Markus Gauß zeigt sich fasziniert von den vierundsiebzig von Peter Schultze-Kraft ausgewählten und herausgegebenen Geschichten aus Kolumbien. Gauß wirft zunächst die Frage auf, wie man in einem Land lebt, in dem seit hundert Jahren exzessive Gewalt herrscht und jährlich 3000 Zivilisten den Verteilungskämpfen zwischen Regierung, Drogenkartellen, Guerilla und paramilitärischen Verbänden zum Opfer fallen. Schultze-Krafts Auswahl von Erzählungen gibt darauf Antwort. Sie zeigt nach Ansicht des Rezensenten zum einen, dass sich das Land nicht mit dem Schrecken, unter dem es zu leiden hat, identifizieren lässt, auch wenn die Gewalt auch das private Leben der Menschen durchdringt, zum anderen, dass die kolumbianische Literatur mehr zu bieten hat als nur einen Nobelpreisträger (Garcia-Marquez). So hebt der Rezensent etwa den hierzulande völlig unbekannten Hector Rojas Herazo hervor, der in seiner Heimat vielen als der bedeutendste Autor des 20. Jahrhunderts gilt - bei weiten nicht die einzige Entdeckung, die man nach Ansicht des Rezensenten in Schultze-Krafts Sammelband machen kann. Vor allem die Vielfalt literarischer Strategien, die die Altersgenossen, Weggefährten, Gegenspieler, Konkurrenten von Garcia-Marquez entwickelt haben, und die sich nicht unter den Titel "magischer Realismus" bringen lassen, findet der Rezensent beeindruckend. Fazit des Rezensenten: eine "erstaunliche Anthologie".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.01.2002

Mit eventuellen Erwartungen nach tropischer Exotik, warnt uns Gerhard Dilger, hat diese zweite "hervorragend übersetzte" Kolumbien-Anthologie des Kolumbienkenners Schultze-Kraft nichts zu tun. Vielleicht ist unser Rezensent in dieser Sammlung fast ausnahmslos erstmals auf Deutsch erscheinender Kurzgeschichten gerade deshalb auf "wahre Perlen" gestoßen, "die selbst in Kolumbien kaum jemand kennt". Aufs Ganze gesehen allerdings moniert Dilger, dass das Problem der Gewalt als ein für Kolumbien leider noch immer höchst aktuelles Thema weitgehend ausgespart bleibt und Frauen, Schwarze oder Indigenas meist Randfiguren sind. Das dem Rezensenten Vergnügen bereitende Spektrum der Geschichten in diesem "liebevoll ausgestatteten" Band ist dadurch kleiner, als es seiner Meinung nach hätte sein können.
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