Männer sind die Geisterfahrer der modernen Gesellschaft: Der Feminismus stellt sie als Mängelwesen dar - "toxische Männlichkeit" ist zu einem Kampfbegriff geworden. Und die vermeintlichen Übeltäter? Passen sich geschmeidig an. Oder fühlen sich überrollt von einer Logik, die Männer grundsätzlich als Problem und Frauen als Lösung darstellt. Wie fühlt sich diese Kränkung an, wenn man nicht wie ein Feldherr durchs Leben laufen, aber auch kein Vorzeigefeminist sein möchte, wenn man sich selbstkritisch beobachtet, aber auch nicht umkrempeln lassen möchte wie ein altes Hemd? Warum ist es gar nicht so einfach, einen Kultur- und Normenwandel anzunehmen, der alles, was einem jahrzehntelang als erstrebenswert verkauft worden ist, als peinlich, fragwürdig oder unmoralisch entwertet?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26.03.2022
Rezensent Florentin Schumacher entwickelt nach eigenem Bekunden beim Lesen zunehmend das Bedürfnis, Tobias Haberls Buch "gegen die Wand zu hauen" - so sehr geht ihm diese Verteidigung des armen "gekränkten Mannes" in Zeiten einer angeblich immer weiblicher werdenden Gesellschaft gegen den Strich. Schon diese Sicht gehe an der Realität vorbei, meint Schumacher, denn Haberl stelle sämtliche Sachverhalte grob falsch dar - so etwa die Unterstellung, immer mehr Jugendliche würden sich massenweise mal eben einer Geschlechtsumwandlung vollziehen. "Mindestens problematisch, wenn nicht perfide" findet der Kritiker außerdem: die Aussage, dass archaische Verhaltensweisen schon mal nützlich sein könnten, wenn man mal an der falschen Haltestelle aussteigt, die Annahme, der Welt ginge ohne diese Männlichkeit etwas "verloren", und die Aufforderung, gekränkten Männern - worunter Haberl auch Querdenker, Incels und Kapitolstürmer fasse, so der geschockte Kritiker - mehr Verständnis entgegenzubringen, um die Gesellschaft zu schützen. Da kann Schumacher nur mit dem Kopf schütteln.
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