Der Marsch Garibaldis und seiner Garibaldini durch den Apennin von Rom nach Ravenna ist legendär und zentral für die Einigung Italiens. Im Sommer 2019 ist Tim Parks Garibaldis Spuren gefolgt und durch das Herz des Landes gewandert: eine großartige Erkundung von Italiens Vergangenheit und Gegenwart. Im Sommer 1849 musste Guiseppe Garibaldi, Italiens legendärer Revolutionär, die Verteidigung Roms endgültig aufgeben. Er und seine Männer hatten die Stadt vier Monate gehalten, aber nun war klar, dass nur die Kapitulation die Zerstörung durch die überlegene französische Armee verhindern würde. Es galt, die Niederlage in einen moralischen Sieg zu verwandeln, und so führte Garibaldi mit seiner schwangeren Frau Anita eine kleine, schnell aufgestellte Armee an, um den Kampf für die nationale Unabhängigkeit fortzusetzen. Von französischen und österreichischen Truppen verfolgt, marschierten die Garibaldini über den Apennin und kamen mit nur 250 Überlebenden in Ravenna an.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2022
Rezensent Andreas Rossmann hätte sich einige persönliche Einlassungen zu Wanderblasen und Leibspeisen des Autors weniger gewünscht in diesem Buch des Italien-Kenners Tim Parks. Um auf Garibaldis Spuren von Rom nach Norden zu wandern und diese historische Leistung zu würdigen, hätte es laut Rossmann auch die wenig inspirierten Landschaftsbeschreibungen nicht gebraucht. Was Parks unterwegs erlebt, wen er alles trifft und was das über Italien aussagt, hat zwar nicht immer etwas mit Garibaldi zu tun, meint Rossmann, mitunter aber erhellen sich Parks Erlebnisse und die historischen Beschreibungen gegenseitig, so der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 23.03.2022
Rezensent Günther Wessel folgt Tim Parks, der dem Weg folgt, den Garibaldi und seine Truppen im Mai 1860 auf der Flucht von Rom Richtung Ravenna nahmen. Die 500 Kilometer und ihre Strapazen kann ihm der Autor allerdings nur ansatzweise vermitteln, wenn er von geschundenen Zehen, Wander-Apps, der Suche nach Unterkunft und den touristischen Kleinstädten Italiens berichtet. Überzeugend erscheinen Wessel Parks' Quellenlektüre, sein kulturhistorisches Wissen und sein mitunter beißender Witz. Auf manch "ausufernde" Wegbeschreibung oder die Berichte vom täglichen Sockenwaschen hätte Wessel gern verzichten können.
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