Ippolito Nievo

Bekenntnisse eines Italieners

Roman
Cover: Bekenntnisse eines Italieners
Manesse Verlag, Zürich 2005
ISBN 9783717501091
Gebunden, 790 Seiten, 53,80 EUR

Klappentext

2 Bände. Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner. Italien am Vorabend der nationalen Einigung: zerklüftet in seinem politischen Wollen, hin- und hergerissen zwischen Tradition und Erneuerung, von Freunden verraten, von Feinden "befreit", doch beseelt von der Hoffnung auf ein besseres Morgen, auf Unabhängigkeit, Frieden, Eintracht. Nievos "Bekenntnisse eines Italieners" sind ein Denkmal jener Epoche, ihrer Grausamkeit wie ihrer Grandezza.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2005

Hingerissen ist Maike Albath von einem Historienschinken, der es, unterteilt in zwei Bände, auf insgesamt 1500 Seiten bringt. Die Neuübersetzung von Barbara Kleiner hebt sich von der älteren positiv ab, meint Albath; zum einen weil Kleiners Übersetzung noch genauer, lebhafter und origineller als die von Charlotte Birnbaum aus dem Jahr 1956 sei, zum anderen weil sie dem aus dem Jahr 1858 stammenden Roman einen Anmerkungsapparat hinzugefügt habe. Ippolito Nievo, der auf dem Weg, sich Garibaldis Resorgimento anzuschließen, knapp dreißigjährig ums Leben kam, war ein überzeugter Anhänger eines vereinten, republikanischen Italiens, der sich "bewusst antielitär" gab, wie Albath ihn charakterisierend schreibt, und das bezieht sie auch auf Nievos Vorstellung einer volkstümlichen Literatur: die Mischung aus regionalen und Soziodialekten, die Verbindung von gesprochener und Schriftsprache, das Miteinander der verschiedensten Genres. "Die Bekenntnisse eines Italieners", so die Rezensentin, seien ebenso Milieustudie, Abenteuerroman, Schauermärchen wie Memoirenliteratur. Das wichtigste Stilprinzip für sie: die Abschweifung, die Nievo zum Prinzip erhoben und lustvoll den ganzen Roman hindurch angewendet habe. Auf diese Weise bewahrte der Autor seinen Text davor, spekuliert Albath, in einem historischen Schlachtengemälde zu erstarren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.06.2005

Ohne Punkt und Komma feiert Rezensent Thomas Steinfeld dieses zu Unrecht auf dem "Dachboden der Literaturgeschichte" verräumte Meisterwerk. Denn "dieses Buch ist alles, was man von einem historischen Roman erwarten kann, und noch viel mehr". Ippolito Nievo erzählt die Geschichte des Carlino, der auf dem venezianischen Festland aufwächst, zum Akteur und Zeugen der bewegten Entstehung des italienischen Nationalstaates wird und zwei nicht immer verlässlichen Instanzen seine bedingungslose Liebe geschenkt hat: Italien und der schönen Pisana. Sehr gefallen hat dem Rezensenten die eigentümliche Paarung von "opernhaftem Pathos" und "ironischem Wissen", die der Erzählung anhaftet, sowie die "große Sympathie" und die "reflexive Distanz", mit der der Erzähler das Geschehen begleitet. Eindrucksvoll sei darüberhinaus, dass der Roman auch nach vielen hundert Seiten noch eine ungeheuerliche Kraft besitze, so dass es den Leser wahrhaftig schmerze, das Buch aus der Hand legen zu müssen. Am allermeisten beeindruckt hat den Rezensenten jedoch, dass man dem schon mit 29 Jahren verstorbenen Autor seinen rückblickenden achtzigjährigen Erzähler abnimmt. Hoffentlich, so sein Fazit, kann Barbara Kleiners schwungvolle und lebhafte Neuübersetzung die deutschsprachige Leserschaft dazu bringen, diesem Roman die ihm gebührende Ehre zu erweisen.
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