Mit zum Teil farbigen Abbildungen. Keine Geste hat mehr Unheil angerichtet als diese. Kein anderes politisches Regime der Welt hat je eine Grußformel so radikal zur Nivellierung gesellschaftlicher Unterschiede und zum Umbau einer Gesellschaft eingesetzt wie der Nationalsozialismus. Dem italienischen Duce-Gruß entlehnt (und damit eine gewaltige Debatte über sein "Deutschsein" oder nicht "Nichtdeutschsein" auslösend), wurde der "deutsche Gruß" zum Wahrzeichen des Hitlerfaschismus - und schied die Geister. Denn anhand des Grußes wurde bald klar erkennbar, wer wie zum Faschismus stand - auf der Straße, im Büro, im Freundeskreis und auch zu Hause.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.08.2010
Wie verhext der rechte deutsche Arm noch lange Zeit war (und ist) lässt Christopher Schmidt sich von dem Frankfurter Soziologen Tilman Allert auseinandersetzen. Hilfreich dabei findet der Rezensent nicht nur so manche Zeitzeugen-Anekdote. Auch Allerts Ausführungen zum sozialen Destruktionspotenzial des deutschen Grußes erscheinen ihm überzeugend und erhellend. Nicht Offenheit, sondern Misstrauen, nicht Empathie, sondern Automatismus drückte er aus, resümiert Schmidt den erstmals 2005 erschienenen, nun erweitert und als Taschenbuch vorliegenden Band.
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