Viele Illustrationen. Der Feldzug für eine gesunde Lebensweise, der Kult um den Körper, der Ruf nach der Gemeinschaft - so manches, was den Alltag im "Dritten Reich" prägte, erscheint uns heute erschreckend vertraut, wie Tillmann Bendikowski in diesem Buch zeigt. Aber konnte es damals überhaupt so etwas wie ein "normales" Leben inmitten der Diktatur geben? Der Autor begibt sich auf eine erzählerische Zeitreise in die (auch zeitliche) Mitte der NS-Herrschaft, indem er das Alltagsleben der Deutschen während einer Spanne von zwölf Monaten erkundet: zwischen Dezember 1938 und November 1939, als schon der Zweite Weltkrieg tobte und auch das missglückte Attentat im Münchener Bürgerbräukeller das Regime nicht mehr stürzen konnte. Ein Blick auf das Leben der Deutschen im Alltag der Diktatur.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.06.2022
Bücher über einzelne Jahre gibt es inzwischen so häufig, dass sie geradezu ein Genre darstellen, bemerkt Rezensent Cord Aschenbrenner zu Beginn seiner Kritik. Tillmann Bendikowski greift das Jahr 1939 heraus (genauer die zwölf Monate vom Dezember 1938 bis zum 8. November 1939), jenes Jahr vor dem Krieg , als sich die Herrschaft der Nazis stabilisiert hat und die Deutschen zufrieden ihren Alltag lebten, während politische Gegner gefoltert und die Juden vertrieben oder den Pogromen des 9. November ausgesetzt wurden: "Muttertag, Sommerferien, Sonntagskuchen und Kinobesuche", alles wie sonst. Aber doch nicht ganz, lernt Aschenbrenner aus Bendikowskis Buch, dem er akribische Recherche attestiert. Denn die Deutschen waren "in fast jeder Hinsicht eingeschnürt", mussten sich den Programmen der Nazis unterwerfen, von der "Deutschen Weihnacht" über den Hitler-Geburtstag bis zum Ernteeinsatz. Nur taten sie das offenbar allzu gern. Aschenbrenner kann diesen ausschnitthaften Blick in den Alltag nur empfehlen.
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