Karlheinz Stockhausen und John Cage haben die Musik nach 1950 wesentlich bestimmt. Beide verstehen ihr Schaffen religiös. Diese Studie nimmt das beim Wort und arbeitet in einer detaillierten theologischen Analyse der Kompositionen und ästhetischen Konzepte zwei Strukturtypen religiöser Verwirklichung heraus. Stockhausens Entwicklung geht von einem metaphysischen Gottesbegriff aus; die Auseinandersetzung mit dessen Aporien treibt den Gestaltwandel seines Schaffens an und führt ihn schließlich zur Anerkennung von Geschichte und Inkarnation in seinem Musiktheaterzyklus LICHT. Cage sieht Musik als Werkzeug, um Gottes Gegenwart wahrzunehmen; er hat zahlreiche Verfahren erfunden, dies im Oeuvre zu verwirklichen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.01.2007
Nein, gar nicht einverstanden ist Rezensent Andres Briner mit der interpretatorischen Versuchung dieser Studie. Das selbst gesteckte Ziel, der "Wunsch" sei einfach zu hoch. Man könne eben nicht beweisen, dass serielles Komponieren religiös motiviert sei. Zudem ist sich der Rezensent auch gar nicht sicher, wie gelungen Stockhausen seine Anliegen überhaupt verwirklicht habe. Sowohl bei Stockhausen mit der verbotenen "Jünglings"-Inszenierung im Kölner Dom als auch bei John Cage mit dem Kulturcrash bei den Donaueschinger Musiktagen 1959 "schiebe" der Autor den entscheidenden Konflikt "beiseite", der zu einem Verständnis nötig wäre. Bei Cage sei, religös gesehen, die Tradition des amerikanischen Transzendentalismus entscheidend, die Thomas Ulrich gar nicht erwähne. Zudem scheine er das Stück "Apartmenthouse 1776" mit seinen Choralelementen nicht zu kennen. Hier verweist der Rezensent auf bereits vorliegende und weiter reichende Studien.
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