Thomas Stangl

Ihre Musik

Roman
Cover: Ihre Musik
Droschl Verlag, Graz 2006
ISBN 9783854207092
Einband unbekannt, 192 Seiten, 18,50 EUR

Klappentext

Zwei Frauen, ihre Wohnung, ihr Stadtviertel und ihre Erinnerungen: das ist das Material, aus dem Thomas Stangl seinen zweiten Roman komponiert hat. Schauplatz ist die Leopoldstadt, geschichtsträchtiger Wiener Stadtteil, in dem Emilie und ihre Tochter Dora ihr ganzes Leben verbringen, bis zum Ende.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2007

Pia Reinacher zeigt sich guten Willens, kommt aber alles in allem mit diesem sperrigen Text, wie sie zugibt, nicht wirklich zurande. Und das ist ihrer Meinung nach dann doch in erster Linie des Verfassers Schuld. Gar keinen Kompromiss will er eingehen mit den Konventionen des Erzählens und dem Wunsch des Lesers nach Verständlichkeit. So gehe die Geschichte einer problematischen Mutter-Tochter-Beziehung in der "Bilder- und Sprachflut", die Thomas Stangl entfesselt, beinahe unter. Darin liegt, so Reinacher, in letzter Konsequenz auch ein ästhetisches Scheitern, da die "formale Entwicklungslosigkeit" des Textes in der Entwicklung des Geschehens keine Entsprechung finde. So bleibt wenig mehr als eine furiose "Zersplitterung in Einzelteile".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.12.2006

Sibylle Cramer preist den zweiten Roman Thomas Stangls als völlig neuartiges Erzählen, in dem die Beschreibung an die Stelle von Reflexionen tritt und die dabei dennoch "Deutungskraft" entwickelt. Ein Erzähler schildert das Leben von Mutter und Tochter, die sich offenbar ausschließlich in der Wiener Leopoldstadt bewegen. Jenseits eines realistischen, psychologisch motivierten Erzählens wird das Leben der Frauen in immer wiederkehrende Alltagshandlungen und detaillierten Wahrnehmungsprozessen aufgelöst, wobei die Figuren der Mutter und der Tochter für die Leser immer weiter ineinander fließen, erklärt die Rezensentin. Was dabei zustande kommt, ist eine äußerst dichte, sinnlich fassbare Darstellung der Bewusstseinsabläufe der Figuren, protokolliert Cramer begeistert, die in diesem "bahnbrechenden" Roman nichts weniger als die "Zukunft des Beschreibens" bejubelt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.11.2006

Auch in seinem zweiten Buch "Ihre Musik" geht es Thomas Stangl nicht um Plots und Geschichten, sondern um Momente, erklärt Hans Jürgen Balmes. Stangl schildert Momente aus dem Leben von Mutter und Tochter, die zwar eine Wohnung teilen, aber dennoch ganz in getrennten Welten leben. Was der Rezensent nun erwartet, nämlich der Versuch, die Psychologie zwischen den beiden Figuren auszuloten, trifft nicht ein: Stangl verlasse sich vielmehr ganz auf die Erkenntnis stiftende Kraft der Sprache und spüre dem "ungreifbaren Moment Gegenwart" in den einsamen Spaziergängen der beiden Protagonistinnen durch Wien nach, so Balmes fasziniert, und lässt wissen, dass der offene Schluss des Romans noch länger in ihm nachschwingt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2006

Mit seinem zweiten Roman, "Ihre Musik", hat Thomas Stangl sein unbestreitbares Talent eindrücklich unter Beweis gestellt, stellt ein begeisterter Paul Jandl fest. Beschrieben wird das von Einsamkeit und Trauer geprägte Leben von Mutter und Tochter in der gemeinsamen Wohnung der Wiener Leopoldstadt. In langen Spaziergängen durch die Stadt vermischen sich innere und äußere Topografie zu atmosphärisch äußerst dichten Schilderungen, so der Rezensent fasziniert. Die Realität des Romans schwankt ständig zwischen der Realität und jenseitigen Welten und lässt den Leser damit den Boden unter den Füßen weg gleiten, stellt Jandl gefesselt fest und glaubt, dass die große "Spannung" des Buches aus der Diskrepanz zwischen der äußerst präzisen Sprache und der sich immer weiter auflösenden Romanwelt hervorgeht. Dieses Buch ist nichts weniger als "große Literatur", schwärmt der hingerissene Rezensent.
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