Lothar Gall (Hg.)

Krupp im 20. Jahrhundert

Die Geschichte des Unternehmens vom Ersten Weltkrieg bis zur Gründung der Stiftung (1914-1967)
Siedler Verlag, Berlin 2002
ISBN 9783886807420
Gebunden, 576 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs ging es dem Krupp-Konzern so gut wie nie zuvor und nie danach in seiner Geschichte: Finanziell bequem ausgestattet, mit modernen Fabrikanlagen und vorzüglichen politischen Verbindungen, glaubte man sich für jeden Krieg gewappnet. Die ausgeprägte Staatsloyalität des preußischen Diplomaten Gustav Krupp von Bohlen und Halbach erleichterte 1919 die Anpassung an die neue Demokratie, ebenso aber nach 1933 die Hinwendung zur nationalsozialistischen Diktatur. Der schon begonnene Umbau zum modernen Mischkonzern wurde wieder abgebrochen, Krupp ordnete sich nach anfänglichem Zögern voll den Interessen des Staates und damit auch dessen neuen Krieges unter. Es wurde zur "Waffenschmiede des Reiches". Die mit den Siegermächten erst 1951 vereinbarte Neuordnung und ein anderes, friedliches Image der Firma waren zentrale Unternehmensziele des letzten Alleininhabers Alfried Krupp von Bohlen und Halbach

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.11.2002

Vor zwei Jahren hatte der Frankfurter Historiker Lothar Gall den ersten Band über die Geschichte der Krupps von den Anfängen im frühen 19. Jahrhundert bis zum "Vorabend des Ersten Weltkriegs" vorgelegt, ein Band "wie aus einem Guss" und in seiner guten Lesbarkeit an ein großes Publikum gerichtet, lobt Volker Ullrich. Nun hat Gall einen Folgeband vorgelegt, an dem er wesentlich drei andere Autoren, die "ausgewiesenen" Wirtschafts- und Sozialhistoriker Klaus Tenfelde, Toni Pierenkemper und Werner Abelshauser, mitschreiben ließ, berichtet der Rezensent. Doch reiche dieser Band, der die Geschichte der Krupps bis 1967 behandelt, nicht an den ersten heran, bedauert der Rezensent. Zwar seien die Koautoren "gute Sachkenner", doch seien ihre Beiträge so spezifisch gehalten, dass Ullrich vermutet, dass sie einzig von einem Fachpublikum gelesen werden. Und das sei, vor allem wegen der guten inhaltlichen Arbeit von Gall, Tenfelde und Pierenkemper, schade, lautet das Fazit des etwas enttäuschten Rezensenten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2002

Seit einigen Jahren endlich hat auch die deutsche Unternehmensgeschichte Anschluss an das internationale Forschungsniveau gefunden, freut sich Hans-Ulrich Wehler. Einen Grund für diesen Aufschwung sieht Wehler in der Öffnung der Werkarchive, zum anderen, meint er, sei es "methodisch leichter", über einen klar eingegrenzter Untersuchungsgegenstand zu arbeiten "als etwa ... Depressionsphasen eines Wirtschaftssystems zu analysieren". Gelungen ist eine solche Unternehmensgeschichte nach Wehler jedoch nur, wenn sie eine Fusion von Sozial- und Wirtschaftsgeschichte darstellt, in die auch Kenntnisse der Betriebssoziologie einfließen. Herausgeber Lothar Gall, informiert uns Wehler, hat den ersten Band über das Krupp-Imperium allein geschrieben. Für den zweiten Band, der nun "Krupp im 20. Jahrhundert" behandelt, hat sich Gall drei sehr profilierte Sozial- und Wirtschaftshistoriker als Mitstreiter gesucht, lobt Wehler: Klaus Tenfelde (für die Jahre 1914 - 24), Toni Pierenkemper (1924 bis 1933) und Werner Abelshauser (1933 bis 1951). Die Nachkriegszeit bis heute behandelt Gall selbst. Es ist schon faszinierend, so der Rezensent, wie es der ehemalige Rüstungskonzern geschafft hat, sich in ein flexibles modernes Unternehmen zu verwandeln, ein "Unikat in der deutschen Industriegeschichte".
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