Der Anwalt Hans Calmeyer (1903-1972) entschied als Beamter der deutschen Besatzungsverwaltung in den Niederlanden täglich über Leben und Tod: Nach der NS-Rassenpolitik sollte er "rassische Zweifelsfälle" klären. "Arier" oder Jude? Was zugleich bedeutete: Rettung oder Deportation. "Schindler oder Schwindler?" titelte der "Stern". 1992 nahm ihn Yad Vashem unter den "Gerechten unter den Völkern" auf. Andere sehen in ihm ein funktionierendes Rädchen im Getriebe der Mordmaschinerie. Mathias Middelberg legt an konkreten Fällen die Handlungsweisen und -spielräume des "Rassereferenten" dar. - Wer war dieser Hans Calmeyer? War er Mittäter oder Widerständler?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.2015
Laut Hans-Jürgen Döscher widerfährt dem Leiter der Entscheidungsstelle für Abstammungsfragen im Reichskommissariat für die besetzten niederländischen Gebiete, Hans Calmeyer, mit dem Buch von Mathias Middelberg Gerechtigkeit. Die Frage, wie Calmeyers Walten zu bewerten sei, entscheidet der Autor, so Döscher, anhand der Auswertung von unveröffentlichtem Archivmaterial niederländischer und deutscher Provenienz überzeugend, indem er belegt, dass Calmeyers jüdische Verfolgte entlastende Anträge zumeist "sachkundige" Fälschungen waren. Über diesen Nachweis hinaus, vermag der Autor dem Rezensenten auch die schwierigen politischen Umstände von Calmeyers Wirken näherzubringen, die Calmeyers Lage schließlich bedrohlich werden ließ.
L. Joseph Heid lernt den NS-"Rassereferenten" Hans Calmeyer im Buch seines Biografen Mathias Middelberg in all seiner Widersprüchlichkeit kennen. Ob Calmeyer nun stiller Held und Judenretter oder doch bloß ein Schreibtischtäter war, der aus Laune oder gar bloßer Nachlässigkeit rettete, vermag der Rezensent zwar auch nach der Lektüre nicht zu entscheiden, den inneren Konflikt der Gestalt aber kann ihm der Autor darlegen. Dass Middelberg Calmeyer kennt wie kein anderer, steht für Heid außer Frage.
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