Thomas Meyer

Mediokratie

Die Kolonisierung der Politik durch die Medien
Cover: Mediokratie
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783518122044
Taschenbuch, 232 Seiten, 10,17 EUR

Klappentext

Wir sind Zeugen einer kopernikanischen Wende der Politik, in der die Parteiendemokratie zur Mediokratie wird und die Regeln der medialen Politikdarstellung zunehmend auch die Politik regieren. Thomas Meyer geht der Frage nach, ob die Mediokratie auf lange Sicht zur Herrschaft von Ereignismanagement und Darstellungseffekten führt oder sich doch ein anspruchsvolleres Verständnis von politischer Kommunikation entwickelt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.11.2001

Als "kühn" bezeichnet Rezensent Rolf Lamprecht Thomas Meyers Aussage, "die Oberflächlichkeit der Medien (bedeute) den Niedergang von Demokratie, Transparenz und offener Gesellschaft". Der Dortmunder Professor für Politikwissenschaft lasse "kein gutes Haar an Deutschlands Medien", wobei sich seine Sicht aber auf die privaten Fernsehsender verengt habe. Seine "detailreiche und umfängliche" Medienkritik vernachlässige deshalb die bestehende Medienvielfalt. Der Bürger wähle seine Informationsquellen noch immer frei aus, daher könne von einer "Kolonisierung der Politik durch die Medien" keine Rede sein.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.10.2001

Der Rezensent Richard Meng findet den Titel des Buches 'Mediokratie' klug gewählt. Er versinnbildliche bereits die Tendenz dieses Buches, insofern es die "Hauptschurken" bei den Medien ausmache. Der Autor springe in seiner Absicht aber immer ein wenig zwischen "vernichtendem Befund und einem Rest an Zweckoptimismus", der an einen Qualitätsmaßstab jenseits von Auflagenzahlen und Einschaltquoten glaube. Die wesentliche Diagnose, die das Buch stelle, sei die, dass die 'politische Öffentlichkeit tatsächlich zum Spiegelkabinett werde, in dem sich beide Politik und Medien, immer nur selber wiedererkennen und dabei die wirkliche Welt aus den Augen verlieren', so zitiert Meng den Autor. Resümierend befindet Meng aber, dass der Autor den "altbekannten Selbsttrost kritischer Journalisten" wiederhole, man könne nicht am Publikumsinteresse vorbei produzieren.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.07.2001

In einer Doppelrezension bespricht Gunter Hofmann zwei Bücher über das Verhältnis von Politik und Medien in modernen Massendemokratien.
1) Andreas Dörner: "Politainment"
Den Impuls des Autors Andreas Dörner, dem gängigen kulturpessimistischen Lamento über die "Gildo-Hornisierung" der Politik etwas entgegen zu setzen, kann Hofmann gut verstehen. Ihm hat es Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Dörners These, die Unterhaltungskultur trage nicht nur nicht zum Niedergang des Abendlandes bei, sondern sei selbst teils geradezu beispielhaft politisch korrekt, etwa in der Abgrenzung von rechter Gewalt, nimmt der Rezensent durchaus ernst. Doch insgesamt beschreibe Dörner nur einen Ausschnitt der Realität, was besonders deutlich werde, wenn er die Kulturkritik der Frankfurter Schule und die Bourdieusche Kultursoziologie einfach mit ein paar Sätzen vom Tisch fege. "Populärkultur, gut! Aber (...) versickert das Politische nicht zugleich auch?", fragt sich Hofmann besorgt.
2) Thomas Meyer: "Mediokratie"
Etwas skeptischer, findet der Rezensent, nimmt Thomas Meyer die modernen Medien und ihr Verhältnis zur Politik in den Blick. Auf differenzierte Art, so Hofmann, macht Meyer verständlich, dass Amerikanisierung nicht zum Schreckensbild taugt und die Moderne auf einem Weg ist, der wegführt von der tradierten Parteiendemokratie. Aber wohin nur? Zu einem neuen "schwer definierbaren Modus von Politik und Demokratie", meint Meyer. Das Buch wirke deshalb wie der Abschluss einer langen, langen Debatte, stellt Hofmann fest. Man könne ihm nur zustimmen. Doch am Schluss sieht er, und wir mit ihm, den Vorhang zu und trotzdem alle Fragen offen.
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