Thomas Maissen

Verweigerte Erinnerung

Nachrichtenlose Vermögen und die Schweizer Weltkriegsdebatte 1989-2004
Cover: Verweigerte Erinnerung
NZZ libro, Zürich 2005
ISBN 9783038230465
Gebunden, 730 Seiten, 68,00 EUR

Klappentext

Weshalb geriet die Schweiz ab 1995 in ihre größte außenpolitische Krise seit dem Zweiten Weltkrieg? Ausgehend von Interviews, die er mit Protagonisten der Auseinandersetzungen - so Singer, Eizenstat, Burg, Korman, Ospel, Krayer und Borer - in der Schweiz, den USA und Israel geführt hat, liefert der Autor facettenreiche und tiefgründige Erklärungen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.05.2006

Thomas Maissen liefere einen profunden Rückblick auf eine Debatte, konstatiert Rezensent Jan Surmann. Nach dem Ende des Kalten Krieges sei es zu einem "Paradigmenwechsel" gekommen. Ab dann hätten die Historiker den Holocaust als gesamteuropäisches Phänomen zu verstehen gesucht. Auch die kleinen und neutralen Staaten wie die Schweiz würden mit ihren "Nachkriegsmythen" in diese Perspektive eingeschlossen. Bei der Bewertung der Frage, so der Rezensent, wie sich die Schweiz nach 1945 mit den so genannten nachrichtenlosen Vermögen verhalten habe, mache der Autor unmissverständlich klar, dass die Banken eine Rückgabe "zielstrebig sabotiert" hätten. Wichtig sei eine "Geste der Entschuldigung" gewesen und eine Verankerung der historischen Fakten im Bewusstsein der breiten Bevölkerung. Unzureichend beleuchtet ist aus Sicht des Rezensenten dagegen "die zunehmende Moralisierung der zwischenstaatlichen Beziehungen", die die amerikanische Regierung unter Bill Clinton betrieben hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2005

Nicht ganz einverstanden mit den Thesen des Schweizer Historikers Thomas Maissen zeigt sich Paul Stauffer. Maissen war in den 90er Jahren einer der führenden Köpfe in der schweizinternen "Weltkriegsdebatte", die er nun im Nachhinein zusammenfasse, stellt er den Autor vor. In dieser Debatte ging es zum einen um die Rolle der Schweizer Banken, ruft Stauffer in Erinnerung, zum anderen um die Flüchtlingspolitik des Staates. Maissen entfaltet für Stauffers Geschmack eine überkritische Haltung zur Schweiz: zwar solidarisiere er sich nicht vorbehaltlos mit den amerikanischen Schweiz-Gegnern, die teilweise handfeste Interessen verfolgten, wie er weiß, aber er werfe den Schweizern vor, als einzige europäische Nation einer "national zentrierten, selbstzufriedenen Gedenkkultur" verhaftet geblieben zu sein. Maissens Darstellung der "Weltkriegsdebatte" lässt der Rezensent als kenntnisreich und gut geschrieben gelten, seine These vom Holocaust-zentrierten Geschichtsverständnis anderer Nationen hält er dagegen für Wunschdenken, seine Schlussfolgerungen daraus für politisch falsch.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.03.2005

Überzeugt zeigt sich NZZ-Rezensent Kurt R. Spillmann von diesem im NZZ-verlag erschienenen Buch des NZZ-Autors Thomas Maissen, das ausführlich die Auseinandersetzungen um die nachrichtenlosen Vermögen von Holocaust-Opfern und das Verhalten der Schweiz im Zweiten Weltkrieg darstellt. Spillmann würdigt das Werk als die "bisher genaueste Ereignisgeschichte" zu diesem Thema. Maissen liefere eine historisch wie juristisch präzis informierte Darstellung, die sich nicht nur auf das weitläufige gedruckte Material stütze, sondern darüber hinaus entscheidendes Material aus über 80 Interviews mit den wichtigsten Akteuren verwende. So werde seine Darstellung geradezu zum Thriller, "voll von Insiderwissen und überraschenden Details." Doch gehe es dem Historiker nicht um einen Krimi. Vielmehr wolle er die hinter den Ereignissen liegende geistige Konfrontation und Herausforderung verständlich machen. Spillmann wünscht Maissens Buch ein breites Publikum, und hebt hervor, dass auch Parlament und Bundesrat darin wichtige Anregungen finden könnten. "Alles in allem ein hervorragendes Werk, das geeignet ist, der Weltkriegsdebatte neue Impulse zu liefern und zu verhindern, dass sich die Schweizer allzu rasch wieder in ihrem selbstzufriedenen Geschichtsbild zur Ruhe setzen."
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