Das Buch erzählt erstmals und mit neuen Fakten, wie Schweizer Frauen Ende des 19. Jahrhunderts begannen, gegen die patriarchale Ordnung zu kämpfen und sich zu organisieren. Franziska Rogger untersucht, wie sie sich national und international zusammenschlossen - in kaum bekannten Komitees und Gruppen in Genf oder in Bern. Erst baten engagierte Schweizerinnen die gnädigen Herren in Bittschriften um konkrete Verbesserungen ihrer Lebensumstände. Schliesslich wurde klar, dass dafür Gesetzesänderungen notwendig waren. Als nicht stimmberechtigt waren Frauen von der Gesetzesarbeit ausgeschlossen. Helene von Mülinen forderte 1907 das Aktivbürgerrecht ein. Das war keine abstrakt ideologische Forderung, sondern ein Resultat schmerzlicher Erfahrung. Zentrale Figur der Bewegung war Julie Ryff (1831-1908). An ihrem Leben ist abzulesen, was die herrschenden Verhältnisse anrichten konnten und wie lebensnah damalige Schweizer Frauen ihre Forderungen stellten und konkret vorwärtstrieben: 13 Kinder, Witwenschaft, Prozesse, berufliche Selbstständigkeit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.08.2021
Urs Hafner liest zwei weitere Bücher, die zum 50-jährigen Jubiläum des Frauenstimmrechts erscheinen und die daran arbeiten, wie er frohlockt, dem alten Schweizer Dreigestirn von "1291, Wilhelm Tell und Winkelried" ein neues zur Seite stellen: 1971, Iris von Roten und Julie Ryff. Die NZZ-Redakteurin Nadine Brügger verbinde in ihrem engagierten Buch geschickt acht Frauenbiografien. Allerdings vermisst Hafner Belege für die "historischen Fakten", die Brügger als Grundlage ihrer fiktiven Geschichten anführe, ohne Quellen zu nennen. Unglücklich ist er auch mit der Entscheidung, den Kampf bürgerlicher Frauen in den Mittelpunkt zu rücken und darüber die Leistungen der Arbeiterinnen zu vernachlässigen.
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