Thomas Lindemann

Die Macht der Perzeptionen und Perzeptionen von Mächten

Cover: Die Macht der Perzeptionen und Perzeptionen von Mächten
Duncker und Humblot Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783428093304
Broschiert, 317 Seiten, 73,63 EUR

Klappentext

Trotz zahlreicher Studien zur wilhelminischen Außenpolitik und zur Julikrise 1914 bleibt die Frage, welchen konkreten Einfluß "kriegerische" Mentalitäten und nationalistische Wertevorstellungen auf den Weltkriegsausbruch hatten. Die Ausblendung dieses "kulturellen" Aspektes unter dem Schlagwort "Manipulationsideologie" führt dazu, den deutschen Anteil am Weltkriegsausbruch lediglich mit "Strukturmerkmalen" zu erklären. Machten aber "Mittellage", zunehmende machtpolitische Schwächung des Dreibundes oder der "Widerspruch" einer industriellen Gesellschaft mit der politischen Dominanz von traditionellen Eliten (Junkern) den Krieg wirklich notwendig? Diese Studie wendet sich gegen einen solchen "Struktur-Determinismus" und hebt stärker hervor, wie die Realität von den außenpolitischen Akteuren perzipiert wurde.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2001

Sönke Neitzel ist mit den zentralen Annahmen von Thomas Lindemann über die auslösenden Momente für den ersten Weltkrieg nicht einverstanden. Der behauptet nämlich, referiert der Rezensent, dass irrationale Übertreibungen und Verzerrungen der Gegner, die aus einem völkischen Nationalismus (Darwinismus, Raumgedanke, Fatalismus) gespeist worden seien, zum Krieg geführt hätten. Einen völkischen Nationalismus als eines der wesentlichen Momente der Kriegspolitik der Deutschen streitet Neitzel nicht ab. Doch will er die geschichtlichen Zusammenhänge nicht darauf reduziert wissen. Machtpolitische Überlegungen und reale Bedrohungen sind für den Rezensenten gleichermaßen bedeutend gewesen. Sein eher negatives Fazit: Lindemanns Thesen seien übertrieben, die Beweisführung zu holzschnittartig und undifferenziert. Und der Verweis auf den völkischen Nationalismus sei zwar richtig, aber leider auch nichts Neues.

Beliebte Bücher

Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Eva Menasse. Alleinruhelage - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Eva Menasse: Alleinruhelage
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Dörte Hansen. Broder - Roman. Penguin Verlag, München, 2026.Dörte Hansen: Broder
"Es zählt nur einer auf dem Hof, das ist der Sohn, der bleibt. Aber die anderen, die übrig sind, die zweiten, dritten, vierten Söhne und die Töchter, die nicht zählen, bleiben…