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Konrad Canis

Bismarcks Außenpolitik 1870 - 1890

Aufstieg und Gefährdung
Cover: Bismarcks Außenpolitik 1870 - 1890
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2004
ISBN 9783506701312
Gebunden, 449 Seiten, 39,80 EUR

Klappentext

Sie gilt als eines der kunstvollsten politischen Netzwerke der neueren Geschichte: die Außenpolitik Bismarcks. Vor allem auf sie gründet sich der Nachruhm des ersten deutschen Kanzlers, der länger als kein anderer die Geschicke deutscher Politik bestimmt hat. Konrad Canis wendet sich nun den ersten beiden Jahrzehnten der Kaiserzeit, der Bismarckzeit zu. Vor allem auf der Grundlage ungedruckten Aktenmaterials setzt er neue wichtige Akzente zu einem großen alten Thema - ein neues Standardwerk zu einer zentralen Epoche deutscher Geschichte. Die Bismarcksche Außenpolitik war von außen wie von innen einem größeren Druck ausgesetzt, als das traditionell gesehen wird. Der rasante Aufstieg Deutschlands zur halbhegemonialen Großmacht auf dem europäischen Kontinent erzeugte bei den europäische Rivalen massive Vorbehalte, legte aber im Deutschen Reich neue Kräfte frei. Von Anfang an stand das Reich in einem Spannungsfeld zwischen diesem kraftvollen Aufstieg, dem wachsenden Potential in Gesellschaft und Staat und der geostrategischen Schwäche in der Mitte Europas mit offenen Grenzen nach allen Seiten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.08.2004

Neues Buch, altes Bild: "Konrad Canis' Darstellung von Bismarcks Außenpolitik ist ganz der überkommenen Sicht der Bismarckhistoriografie verpflichtet." Johannes Willms' Urteil ist somit schon nach wenigen Zeilen gesprochen, und wird anschließend nurmehr mit Begründungen unterlegt. Canis' befinde sich ganz in der Tradition der Hagiografen des Kanzlers, die sein politisches Geschick und Genie, seine vermeintlich "überlegene Psychologie" immer wieder "mit der popularitätssüchtigen Impulsivität des Parvenükaisers Napoleon III." kontrastierten - bis die These durch die Macht der Wiederholung zur Gewissheit gerann, die der Verfasser hier ein weiteres Mal aufpoliert. Bismarck war demnach der umsichtige und unfehlbare Reformator, die Annexion von Elsass-Lothringen ward ihm durch "Volkes übermächtige Stimme" geboten, und alles kommende Unheil ging von seinen unwürdigen Nachfolgern aus. Soweit der Mythos, und so viel zu diesem Buch.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.03.2004

Konrad Canis zählt zu den wenigen DDR-Historikern, die nach der Wende erfolgreich publiziert haben, informiert Volker Ullrich und bespricht auch Canis' neues Buch über "Bismarcks Außenpolitik" sehr positiv. Nicht dass unser Bild durch Canis' jüngste Streifzüge in die Archive grundlegend revidiert werden muss, so Ullrich, doch erhalte es einige neue und deutliche Akzente. Canis' Hauptthese erläutert der Rezensent folgendermaßen: die Reichsgründung hätte eine empfindliche Störung des europäischen Gleichgewichts bedeutet und insofern sei die außenpolitische Existenz des Kaiserreichs weitaus gefährdeter gewesen als bisher angenommen. Bismarck entwickelte ein fein gesponnenes aber stets fragiles Bündnissystem, führt Ullrich Canis' Thesen weiter aus, die er nicht als reine Diplomatiegeschichte verstanden wissen will. Stets berücksichtige der Verfasser auch das Zusammenspiel von innen- und außenpolitischen Erwägungen, hebt Ullrich lobend hervor und macht hierfür des Autors Prägung durch die DDR-Geschichtswissenschaft positiv geltend.