Thomas Kunst

Kolonien und Manschettenknöpfe

Gedichte
Cover: Kolonien und Manschettenknöpfe
Suhrkamp Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783518427545
Gebunden, 125 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Ein Gedichtband wie ein Streifzug durch einen Luna-Park: Wir treffen einen Wikinger an der 54. Straße, versuchen, aufblasbare Münzen durch die ihnen zugewiesenen Löcher zu quetschen, besteigen Barthelmes Ballon in der Nähe des Central Park, fliegen in einer Disziplin unserer Wahl zu den inoffiziellen Weltmeisterschaften nach Milwaukee, behalten einen Kaugummi während eines Kreditgesprächs im Mund. Alles in allem sind wir in diesen Gedichten keine Freunde von mittelmäßiger Gesellschaft. Eine letzte Arche Noah sticht in See, mit Walen, Salamandern und Ratten, wenn nur genügend Gewässer rund um den Ararat zusammengefunden haben.


Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.12.2017

Tom Schulz erinnert sich daran, dass es im Gedicht immer um alles geht mit diesem Band von Thomas Kunst. Die Suchbewegung des Autors mit hohem Anspruch teilt er gerne, auch wenn das Fortbewegungsmittel ein Rätsel bleibt. Durch "Erschütterungslandschaften" geht die Fahrt, schreibt Schulz, durch ferne oder nahe Kontinente, immer mit Wut und Verzweiflung und sprachlicher Wucht. Eine Widerspenstigkeit, die Schulz gefällt. Wie der endlich bei einem großen Publikumsverlag angekommene Dichter lässig und schräg das Sonett bespielt und Musik in seine Texte legt, findet er beeindruckend.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2017

Rezensent Tobias Lehmkuhl tanzt mit den Versen von Thomas Kunst. Kindliche Begeisterung für verbale Vorstellungswelten und deren chemische Reaktion miteinander attestiert der Rezensent dem Dichter. Dass dabei Disparates wie Kontinente und Beine ganz und gar nicht beliebig koalieren, findet Lehmkuhl stark. Wie ein DJ scheint ihm der Autor die Versatzstücke seiner Gedichte zu mischen und Carports und Delphine in einer Art Privatmythologie als Klang- oder Bildelemente auftreten zu lassen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.08.2017

Laut Harald Hartung fehlt den Gedichten von Thomas Kunst etwas Entscheidendes, das, was er von Joyce als "profane Epiphanie" kennt, ein Strahlen der Objekte. Dass der Autor sich hemdsärmelig gibt und locker rhythmisierte Prosa mit Sonetten mischt, scheint dem Rezensenten zunächst in Ordnung. Auch thematische Kohärenz muss nicht sein, meint er. Doch wie sich der Autor um extravagante Einfälle bemüht, scheint ihm nicht sehr überzeugend, weder provokativ noch poetisch, höchstens "schlechter Surrealismus". Auch dass die Ironie in den Texten zu selten ins Selbstironische reicht, scheint dem Rezensenten zu missfallen.
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