Thomas Kapielski

Sozialmanierismus

Je dickens destojewskij!
Cover: Sozialmanierismus
Merve Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783883961705
Taschenbuch, 429 Seiten, 19,95 EUR

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.01.2002

Des Denkers und Autors Thomas Kapielski neuestes Werk ist erstaunliche 400 Merve-Seiten stark, da lässt sich auch die taz nicht lumpen und räumt die Seiten frei für eine umfängliche Rezension durch Gerrit Bartels. Die ist, dem Gegenstand sehr angemessen, recht launig geraten: "Gute Nacht, Thomas, gute Nacht, Abendland, gute Nacht, Hochkultur!" Kapielski, einst Außenseiter, nun beinahe Protagonist des Kulturbetriebs, mit Vorleserei in Klagenfurt und Professur in Braunschweig, schreibt vor allem gegen eines an: "Laberdreck", "Labermüll" und denkt scharf darüber nach, wie sich der vermeiden lässt. Auf einen ordentlichen Nenner lässt sich Kapielski dabei, findet Bartels, nach wie vor nicht bringen. Einerseits präsentiert er sich als "Bildungsbürger, Gelehrter, Wertkonservativer", andererseits schlägt sein Herz für diverse popkulturelle Nichtigkeiten wie die Teletubbies. Nichts hasst er so sehr wie politische Korrektheit und den "Kitsch humaner Gutseinsvermutungen". Mehr oder weniger, findet Bartels, geht das alles schon in Ordnung und das neue Buch ist so ein weiteres starkes Stück des "großformatigen Künstler- und Entwicklungsromans", an dem Kapielski seit eh und je schreibt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.11.2001

Für Marius Meller ist der Autor zwar längst kein "Geheimtipp" mehr, doch sieht er ihn immer noch nicht angemessen gewürdigt. Wie gut Kapielski ist, beweist nach Meller einmal mehr dieses Buch. Hingerissen preist der Rezensent den "Abschweifungskünstler", der, wie er klarstellt, nur "scheinbar einfach drauflos" erzählt und bei dem die "geniale Leichtigkeit" Ergebnis seines großen Könnens ist. Auch hat sich der Rezensent wie immer bei Kapielskis Texten gut amüsiert, wobei er aber betont, dass der Leser nicht nur glänzend unterhalten wird, sondern "klüger" aus der Lektüre hervorgeht. Die Textform lässt ihn an die "evangelische Predigt" denken, die er dann auch für die "zugrundeliegende archetypische Gattung" dieses "köstlichen Redeflusses" hält. Dabei hat er aber auch Parallelen zur Emblematik entdeckt, was nicht zuletzt durch die dem Band beigegebenen Fotos gestützt wird.
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