Hannes Böhringer

Auf der Suche nach Einfachheit

Sechs Begriffe der Kunst
Merve Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783883961590
Taschenbuch, 110 Seiten, 9,20 EUR

Klappentext

Das Einfache ist schwer, womöglich das Schwerste überhaupt. Was aber schwer ist, das ist nicht leicht. Gehört zur Einfachheit nicht auch Leichtigkeit? Das Einfache ist immer in Gefahr, zu einfach zu sein oder im Schweren und Schwierigen zu verschwinden. Hannes Böhringer begibt sich auf die Suche nach Einfachheit auf dem Felde und an Beispielen der bildenden Kunst der letzten Jahrzehnte. Sein Essay, zunächst englisch geschrieben, ist aus Vorlesungen an amerikanischen Universitäten entstanden. Er konfrontiert Begriffe aus älteren und neueren Zeiten mit jeweils einem Kunstwerk: nichts Besonderes /nothing special (George Brecht, Cage, Filliou, Fluxus), fast nichts /presque rien (Gordon Matta-Clark, Minimal Art), Wirbel /vortex (Kunst und Technologie), Witz /esprit (Thomas Kapielski), Gefühl /sentiment (Andy Warhol). Facetten der in sich komplexen Einfachheit (Eva-Maria Schön).

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2000

Zwar räumt Enno Stahl ein, dass man am Ende der Lektüre "beinahe so schlau ist wie zuvor". Dennoch hat er das Buch offenbar mit einigem Gewinn gelesen. Stahl erklärt dem Leser, dass es Böhringer vor allem um das `fast nichts` geht, um den `Durchgangspunkt vom Nichts zum Sein: Anfang`. Hier beginnt, wie der Leser erfährt, für Böhringer Kunst, was er denn auch "anhand einfacher Beispiele" deutlich mache. Insbesondere die Fluxus-Bewegung spielt nach Stahl hier eine bedeutende Rolle. Darüber hinaus zeigt sich der Rezensent fasziniert von Böhringers "suggestivem Denk- und Schreibstil, der sich in Assoziationen fortbewegt", was den Leser beinahe unmerklich in immer wieder neue "Begriffsfelder" leitet.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.07.2000

Der Kunsthistoriker Hannes Böhringer begibt sich auf die Suche nach dem Begriff der Einfachheit, nach seiner Poetik und seiner geschichtlichen Verankerung. Aber weder sein Buch scheint einfach zu verstehen, noch ist es die Kurzkritik von "upj." Irgendwie fühlt er sich bei der Böhringer an Leibniz, aber auch an die "arte povera" erinnert und kommt auch auf die barocke ästhetische Kategorie des "presque rien" zu sprechen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.06.2000

Böhringers Essaysammlung lautet im Untertitel "Eine Poetik", womit die programmatische Ausrichtung der sieben Texte des Braunschweiger Philosophen bereits angegeben ist, erklärt Rezensent Harald Fricke. Böhringer stellt Betrachtungen über Kunst an - kleine Miniaturen, wie Fricke feststellt, die das griechische Wort "poiesis" im Sinne einer stetigen Neuschöpfung des Immergleichen aus dem Fundus der Wirklichkeit zugrundelegen. Zum wesentlichen Kriterium werde dabei die - unmerkliche - Variation, die die Wahrnehmung alltäglich gewordener Gegenstände maßgeblich verändern kann. Der Rezensent erläutert weiter, dass sich Böhringer auf Aktionen wie den Schuß Gordon Matta-Clarks auf eine Fensterscheibe oder Warhols Dollarnote bezieht. Böhringers Texte sind kurz gehalten, wie es ihrem Thema angemessen ist, schließlich geht es dem Autor um das "Fast-nichts", das, wie Fricke so schön formuliert, aber immer "das gewisse Extra" hat.