Thomas Jonigk

Liebesgeschichte

Roman
Cover: Liebesgeschichte
Droschl Verlag, Graz 2016
ISBN 9783854209751
Gebunden, 224 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Eines Abends nach den Ordinationsstunden taucht in der Praxis des praktischen Arztes Alexander Wertheimer ein dubioser und verängstigter Mann auf. In seiner Begleitung eine schwer verletzte, vermutlich minderjährige Ukrainerin. "Liebesgeschichte" ist das Protokoll, das Wertheimer von dieser Begegnung mit Maria Melnyk und von den fatalen Folgen, die daraus erwachsen, anlegt. Persönliche Erinnerung, Bekenntnisschrift, Verteidigungsrede und Schuldeingeständnis gleichzeitig, ist dieses Protokoll ein Kosmos aus Pathologie und Gewalt, der vom Erzähler aber als Liebe und leidenschaftliche Zuneigung wahrgenommen wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2016

Rezensentin Daniela Strigl hat viel übrig für Thomas Jonigks Protokoll einer Obsession. Das monologisch gefasste Geständnis eine Arztes, sich an einer wehrlosen, minderjährigen Patientin vergriffen zu haben, spricht dem Titel laut Strigl in unerhörter Weise Hohn. Nichts als Gewalt und Jammer, erkennt Strigl in dieser Geschichte. Und doch, dieser Dr. Wertheimer, ein schwitzendender, keinesfalls zynischer, sondern gebildeter, reflektierter Koloss, scheint ihr bemitleidenswert. Virtuos findet sie, wie Jonigk den emotionalen Ausnahmezustand der Figur schildert, für die kein Happy End denkbar ist. Auch das Verhältnis zwischen Opfer und Täter stellt der Autor grandios dar, meint Strigl. Und Jonigks chirurgisch schneidender Witz, erklärt sie, macht das Unzumutbare am Ende immerhin lesbar.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.05.2016

Thomas Jonigk scheint sich mit seinem Roman "Liebesgeschichte" dringend in einen Diskurs einschreiben zu wollen, so kommt es Insa Wilke vor, aber weil er keine Stellung bezieht, läuft dieses Buch merkwürdig ins Leere, erklärt die Rezensentin. Da ist ein Arzt, der vielleicht kein Arzt ist, Alexander Wertheimer heißt der Mann, und sich selbst charakterisiert er in der Konsequenz seines behaupteten Feminismus als "MÄNNLICH. / WIDERWÄRTIG. / SCHULDIG.", zitiert Wilke. Dann berichtet er, wie eine verletzte junge Frau in seine Praxis gebracht wird, wie er vor ihr onaniert und wie ihn anschließend Schuld und Selbstekel erst zum Vergewaltiger und dann zum Mörder machen, fasst die Rezensentin zusammen. Das Problem ist, dass Wertheimers Täterperspektive so unglaubwürdig wirkt, dass man ihr mit dem Interesse am psychologischen Fall nicht beikommen kann, findet Wilke, und andererseits so verschroben und konfus, dass abstraktere Deutungen unmöglich scheinen, bedauert die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.04.2016

Rezensentin Eva Behrendt fühlt sich von Thomas Jonigks "Liebesgeschichte" an Nabokovs "Lolita" erinnert. Auch Jonigk lässt seinen Täter ein schonungslos ehrliches Geständnis ablegen, nur dass die Fantasien seines Protagonisten Alexander Wertheimer krasser sind und ihn letztendlich zum Mord an seiner Angebetenen treiben, erklärt sie. Spannend findet Behrendt, dass Wertheimer, insgesamt eigentlich ein ziemlicher Normalo, in seiner Selbstanalyse und -kasteiung durchaus "feministische Diskursfitness" beweist, was seine Figur merkwürdig ambivalent wirken lässt, so Behrendt, die deshalb gut versteht, warum die patenten Frauen im Roman sich nicht vorstellen können, wie böse Wertheimer wirklich ist.
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