Gibt es Literatur im Internet? Als Thomas Hettche und Jana Hensel Anfang 1999 fünfunddreißig der wichtigsten jungen Autoren einluden, ein Jahr lang bei NULL zu schreiben, wurde die Online-Anthologie schnell zum lebendigen Ort deutschsprachiger Literatur im Internet. Unter www.dumontverlag.de/null sammelten sich literarische Ansichten zur Millenniums-Hysterie ebenso wie zum Konsovo-Krieg. Die Anthologie NULL dokumentiert dieses work in progress.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.07.2000
Die Dokumentation dieses Literatur-Internet-Projekts bezeichnet der Rezensent Hans-Peter Kunisch als "auseinander fallendes Ding", als unübersichtlich, was er aber nicht als Kritik an dem Projekt oder seiner Konzeption verstanden wissen will. Vielmehr steht die Sperrigkeit des Werks für Kunisch nur so lange als Hindernis da, "bis man Geduld entwickelt, sich seinen eigenen Text zusammenstellt, wie das beim Lesen jedes Buches geschieht." Er lobt an diesem Projekt, dass "`richtige` Erzählungen, nicht nur Befindlichkeiten" ins Netz gestellt wurden und es so zu einem freien, relativ spontanem Austausch von Meinungen kam. Das ist nach Kunisch besonders gut bei den Diskussionen zum Kosovokrieg nachzuvollziehen: hier haben sich die Autoren teilweise recht weit aus dem Fenster gelehnt, weil die "Unsichtbarkeit der Öffentlichkeit des Internets" zu einem Diskussionsverhalten führt, "wie auf einem Markt, auf dem jeder schreien kann, und keiner das Gefühl haben muss, gehört zu werden".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.05.2000
Eberhard Falcke begrüßt diese Veröffentlichung literarischer Texte aus dem Internet in konventioneller Buchform. Mit dem Buch, so der Rezensent, liege eine gute Dokumentation des Projekts Null vor, das Ende letzten Jahres abgeschlossen worden ist. Freilich sei die literarische Qualität der Texte unterschiedlich, doch eigentlich interessant sei das Medium und seine Auswirkung auf die Literatur. Viele der Texte seien "extrem locker formuliert, spontan oder ersichtlich aus momentanen Situationen" entstanden. Und so beobachtet der Rezensent mit besonderer Spannung die soziale Komponente dieses Projekts, denn "fast zeitgleich, aktuell und im dialogischen Austausch" würden die Autoren aufeinander reagieren. Es sei gut, dass das Buch einiges von dem festhalte, was einmal an diese historisch bedeutsame Entwicklung der Literaturszene - die "Verjüngungsrevolte per E-Mail", so Falcke - erinnern werde.
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