Nichts wird von intellektuellen Kreisen schärfer kritisiert und tiefer verachtet als der alles und jeden durchdringende Konsum. Obwohl der ausgeweitete Konsum unverzichtbarer Bestandteil einer auf Massenwohlstand abzielenden Wirtschaftsordnung ist, einigt die Ablehnung einer "materialistischen Einstellung" Rechte wie Linke, Avantgardisten wie Bildungsbürger, Verfechter einer Elite wie Vertreter der Mittelschicht. Thomas Hecken zeichnet in seinem Essay die Geschichte dieser Versagung von Böll bis Habermas, von der KPD bis zur CDU, von der FAZ bis zur "konkret", von Röpke bis Sloterdijk kritisch nach. Er untersucht die zwiespältigen Versuche der Pop-Linken und der Neoliberalen, daran etwas zu ändern - und unternimmt schließlich selbst eine Verteidigung von Konsum und Materialismus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.01.2011
Paul-Philipp Hanske begrüßt Thomas Heckens Verteidigung des Konsums gegen seine Verächter. Er hat die von einer stupenden Belesenheit zeugenden Ausführungen des Literaturwissenschaftlers mit großer Zustimmung gelesen. Erhellend findet er Heckens historische Darstellung der Konsumkritik in Deutschland nach 1945, die mit zahllosen Äußerungen von Intellektuellen zum Thema Konsum aufwartet. Deutlich wird für ihn dabei, dass sich in der Ablehnung des Konsums Denker aller Richtungen, Linke, Konservative, Rechte, Hochkulturvertreter einig waren und sind. Den gemeinsamen Nenner dieser lagerübgreifenden Haltung erkenne der Autor in der Verachtung des sinnlich-passiven Konsumenten, der heute vor allem in der sogenannten Unterschicht vermutet wird. Dagegen setzt Hecken eine von der Sympathie für die Unterschicht getragene "bedingungslose Affirmation des Konsumierens", die Hanske einiges zu denken gegeben hat.
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