Hinweise zu einer Verbindung von Avantgarde und Terrorismus gibt es bereits viele, fundierte Analysen dazu aber bislang noch nicht. Die Studie geht darum anhand von reichem Material der möglichen Nähe von historischer Avantgarde (Futurismus, Dadaismus, Surrealismus) und terroristischen Kadern (RAF, Weatherman, Tupamaros) nach. Als Bindeglieder fungieren Gruppen, wie die Subversive Aktion, die Kommune I und die linken Aktionisten um 1968 (Rudi Dutschke, Provos, Che Guevara-Anhänger). Dabei entsteht das differenzierte Bild von "Spezialisten der Revolte", deren Verlangen nach einer Aufhebung der Grenzen zwischen Kunst und Leben die Rhetorik des gewaltsamen Bruchs mit allem Bestehenden hervortreibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2006
Roman Luckscheiter gefällt der entspannte Gestus dieser Schrift. Den Parallelen zwischen künstlerischer und intellektueller Avantgarde und dem Terror der RAF scheint ihm Thomas Hecken ausreichend unverkrampft nachzugehen. Die so entdeckte "Rhetorik der Intensität" hält Luckscheiter für einen durchaus angemessenen gemeinsamen Nenner und lobt die Vorsicht, mit der Hecken sein Ziel verfolgt, die "geistige Achse des Bösen" anders als mit dem Schema "Anstiftung und Ausführung" zu erklären. Dass auch Hecken an der Existenz von Gewaltfantasien, etwa der Futuristen, nicht vorbeikommt, wundert Luckscheiter nicht. Um so mehr freut ihn Heckens Entschärfung solcher Auswüchse und eine "famose" Erklärung für die Parallelisierung beider Phänomene: Der Provokateur erscheint als Poet, nicht zuletzt durch seine relative argumentative Armut.
Lobend äußert sich Robert Misik über Thomas Heckens Buch, das Jargon und Programmatik der Revolte in avantgardistischen Bewegungen unter die Lupe nimmt. Heckens Untersuchung von italienischem Futurismus, Dada, Expressionismus und Situationismus macht für Misik die Kontinuitäten der Avantgarde mit ihrer Rhetorik der Gewalt und Zerstörung deutlich. Er bescheinigt dem Autor, mit seiner Analyse dieser Rhetorik die Sympathie vieler Avantgardisten für terroristische Gewalt verständlich zu machen. Instruktiv findet Misik zudem Heckens Beschreibung der Wege, die aus dem Kunstfeld in den praktizieren Terrorismus, etwa der RAF führten. Nicht alles, was der Autor zu diesem Thema schreibt, erscheint Misik aber völlig neu, und bisweilen hätte er sich bei dem einen oder anderen Aspekt eine ausführlichere Darstellung gewünscht. Nichtsdestoweniger würdigt er das Werk insgesamt als eine bestens geeignete Einführung in die Thematik.
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