Hanno Ehrlicher

Die Kunst der Zerstörung

Gewaltfantasien und Manifestationspraktiken europäischer Avantgarden. Diss.
Cover: Die Kunst der Zerstörung
Akademie Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783050036465
Gebunden, 542 Seiten, 64,83 EUR

Klappentext

Mit 3 Farb- und 36 s/w-Abbildungen. Die Avantgardebewegungen des frühen 20. Jahrhunderts erregten die Aufmerksamkeit ihrer Zeitgenossen nicht zuletzt durch eine drastisch vorgetragene rhetorische Gewaltbereitschaft, die sich bis zum zynischen Gestus der Menschheitsvernichtung steigern konnte. Noch die moderne Avantgardeforschung reagierte auf diese Provokation vor allem moralisch. Dagegen wurde das performative Potential einer gestisch in den symbolischen Formen der Kunst ausgelebten Gewalt weitgehend übersehen. Hanno Ehrlicher tritt diesem Defizit entgegen und nimmt die inszenatorisch-theatralische Dimension avantgardistischer Gewaltphantasien in den Blick. Außer den bekannten Avantgardebewegungen Futurismus, Dadaismus und Surrealismus werden zum ersten Mal auch der spanische Ultraismus und der englische Vortizismus in einer breiten kulturvergleichenden Perspektive vorgestellt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.12.2001

Mit "Die Kunst der Zerstörung" legt Hanno Ehrlicher eine "materialreiche Studie" über die Gewaltphantasien europäischer Avantgarden vor, die die Manifestationspraktiken und den Zusammenhang von "künstlerischer und politischer Bewegung" insbesondere beim italienischen Futurismus genauer in den Blick nimmt, lobt Rezensentin Julia Encke. Sie folgt dem Autor voller Zustimmung bei seinen Einwänden gegen die "populären Annahmen" Karl Heinz Bohrers, der die Gewalt der modernen Kunst als "ästhetisches Verfahren" bagatellisieren will. Diesem entgehe die Historizität des untersuchten Materials. Die Manifeste zeigen dagegen, wie Ehrlicher herausarbeite, dass "die Gewalt der Avantgarden sich weder auf eine erhabene Kunstfantasie reduzieren, noch als direkte politische Handlungsvorgabe begreifen lässt." Bei aller Zustimmung bemängelt die Rezensentin, dass Ehrlicher die Quellen nur in den Originalsprachen zitiert - dabei wäre eine Übertragung der bisher nicht übersetzten Passagen ins Deutsche wirklich ein "Verdienst" gewesen.
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