3 CDs, 237 Minuten.Sprecher: Peter Simonischek und Gert Voss. Regie: Götz Fritsch. Produktion:Hessischer Rundfunk, Der Hörverlag.Von reizenden Komplimenten für die "geliebte Bibliothek Suhrkamp" bis zu Schimpftiraden über die "hundsgemeine Hinschlachtung" eines seiner Theaterstücke, von gnadenlosem Geschacher um Honorare und Vorschüsse bis zu tiefem Verständnis eines Verlegers für seinen komplizierten Autor: Der Briefwechsel zwischen Thomas Bernhard und Siegfried Unseld reicht von 1961 bis 1988.
Dieses Hörbuch hat in Wilhelm Trapp einen begeisterten Hörer gefunden, der in dem Hörstück, das seinen Informationen zufolge auf 500 Briefen der insgesamt 900 Seiten starken Druckfassung ein "letztes, unentdecktes" Thomas-Bernhard-Drama sieht. Dies ist seiner Ansicht nach nicht nur der Dramaturgie von Ruthard Stäblein und Götz Fritsch zu verdanken, sondern auch den beiden Sprechern: Peter Simonischek als Bernhard und Gert Voss als sein Verleger Siegfried Unseld. Beide lieferten sich ein "fantastisches Gefecht paradoxer Provokation", jubelt Trapp, die die "theatrale Lust", die bereits die Briefe zum Ausdruck bringen, zu tobenden Gefühlsduellen aufreizen würden. Bernhard-Simonischek "stets erhitzt, tiradierend, unverschämt" und Unseld-Voss abfedernd, jedes Wort mit Netz und doppeltem Boden aussprechend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2009
Der Briefwechsel zwischen Thomas Bernhard und Siegfried Unseld, hier in Hörbuchkurzfassung vorab erhältlich, ist ein Ereignis, konstatiert die Rezensentin Felicitas von Lovenberg. Weil sich hier einer der größten Autoren und einer der größten Verleger der deutschsprachigen Nachkriegs-Literaturgeschichte in Briefen begegnen. Niemals tritt Thomas Bernhard, dessen erste Bücher nun nicht gerade das waren, was man Verkaufsschlager nennt (aber Unseld tröstet mit desaströsen Auflagen Samuel Becketts), als Bittsteller auf. Gnädig lässt er sich dazu herab, weitere Vorschüsse zu fordern. Und Unseld gibt sich nobel, hält die Töne, die Bernhard hat, aus. Darf sich am Ende auch mal sehr gebauchpinselt fühlen. Als "Monument" lobt Felicitas von Lovenberg den Band und auch die Lesung der Briefe durch Peter Simonischek (Bernhard) und Gert Voss (Unseld). Dieses Hörbuch ist eine Besonderheit im übrigen insofern, als es der um vieles gekürzte Sendbote einer erst in ein paar Monaten erscheinenden Gesamtausgabe des Briefwechsels in der Stärke von rund 900 Seiten ist.
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