Theophile Gautier

Avatar

Roman
Cover: Avatar
Matthes und Seitz, Berlin 2011
ISBN 9783882215489
Kartoniert, 200 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen und mit Anmerkungen von Jörg Alisch. Mit einem Nachwort von Michael Roes. "Niemand wusste so recht etwas anzufangen mit der Krankheit, die Octave de Saville langsam von innen heraus zerfraß. Er hütete nicht das Bett, sein Leben verlief in den gewohnten Bahnen, und obwohl nie eine Klage über seine Lippen kam, ging er doch für jedermann wahrnehmbar zugrunde." Doch dann bekommt Octave eines Tages Besuch von einem geheimnisvollen Heiler, dem er sein Herz ausschüttet. Es entspinnt sich eine höchst unterhaltsame Geschichte, mit Körpertausch und Liebesverwirrungen, die alles in Frage stellt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.09.2011

Theophile Gautiers 1851 erschienener Roman "Avatar", der anlässlich des 200. Geburtstages des Dichters neben vielen weiteren Werken neu übersetzt worden ist, wirft für Rezensent Thomas Laux die Frage nach der eigenen Identität auf. Gautier erzähle die Geschichte des lebensmüden, totalem Nihilismus verfallenen Octave de Saville, der sich in seiner Verzweiflung an Doktor Cherbonneau, einen Fachmann für indische Mythologie, wende. Nachdem dieser Octaves Seele mit der des Grafen Labinski ausgetauscht hat und Octave seine Leidenschaft für Labinskis Frau ausleben kann, stellt sich ihm beim Sich-nicht-Wiedererkennen im Spiegelbild schließlich doch die Frage nach dem eigenen Ich. Wenn der Protagonist diese Identitätskrise daraufhin mit Doktor Cherbonneau bespricht, sieht der Rezensent hier die Psychoanalyse bereits vorweggenommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.08.2011

Die Neuübertragung dieses Romans von Theophile Gautiers kommt Niklas Bender gerade recht. Passend zum 200. Geburtstag des Autors und als so freigeistiges wie freizügiges Werk passend zu einem federleichten Stil, scheint das Buch dem Rezensenten nahezu perfekt. Es geht um eine absurde mesmerianische Seelenverpflanzung mit Hoffmann'schen Nussknackerfiguren. Bender empfiehlt den zwischen Schauerromantik und Farce sich bewegenden launischen Roman als guten Einstieg in Gautiers Werk.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.08.2011

Gar nicht recht fassen kann Rezensent Thomas Laux, wie modern ihm der französische Schriftsteller Theophile Gautier in gleich mehreren neu übersetzten Werken vorkommt. Das hat nicht nur mit den sehr freigeistigen Ansichten, sondern schon ganz grundsätzlich mit seiner Erzählhaltung zu tun, damit vor allem, dass dem Erzähler ein weiterer Kommentator des Erzählens mit einiger Herablassung gerne ins Wort fällt. Aber auch mit den Inhalten selbst. In "Avatar" geht es um einen recht frivolen Seelentausch zwischen einem Mann, der alle Lust am Leben verloren hat, und einem anderen, den die Frau des ersteren, weil er so ganz und gar gegensätzlich auftritt, nach dem Seelentausch trotz äußerer Gleichheit sofort als den falschen erkennt. Es folgt ein Duell, geht aber - soviel verrät der Rezensent noch - "glimpflich" aus. Erstaunlich bleibe das dennoch und die Psychoanalyse werde so nebenbei auch noch vorweggenommen.
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