Theodor Wolff

Die Schwimmerin

Roman aus der Gegenwart
Cover: Die Schwimmerin
Weidle Verlag, Bonn 2021
ISBN 9783949441004
Gebunden, 356 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Der Berliner Journalist Theodor Wolff (1868-1943) schrieb auch Sachbücher, Theaterstücke und Romane. Sein letztes Werk war "Die Schwimmerin" und erschien 1937 bei Oprecht in Zürich - Wolff lebte da schon drei Jahre im südfranzösischen Exil. Der "Roman aus der Gegenwart", so der Untertitel, erzählt die Geschichte der Liebe eines älteren Mannes zu einer jungen Frau vor der Folie der politischen und wirtschaftlichen Erschütterungen der Epoche. Der Mann ist Bankier, Hedonist und "Mann ohne Eigenschaften" (nicht umsonst heißt er Ulrich), der sich aus allem raushält - also das Gegenteil Wolffs. Sie, Gerda Rohr, ist politisch aktiv, brennt für die linksrevolutionären Bewegungen und hält seine Passivität nicht aus. Man kann in ihr Wolffs ehemalige Sekretärin, Ilse Stöbe (1911-1942), erkennen, eine Widerstandskämpferin und sowjetische Spionin, die von den Nazis hingerichtet wurde.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.01.2022

Rezensent Thomas Steinfeld räumt ein, dass ein Joseph Roth Zeitgeschichte eindringlicher erfassen konnte als Theodor Wolff. Auch scheinen ihm der adjektivische Stil und das Kolportagehafte diesen letzten Roman von Wolff aus dem Exil nicht eben attraktiver zu machen. Dennoch folgt er der Geschichte des Bankiers Faber und seiner Liebe zu einer Frau nicht ohne Faszination. Abgesehen vom Berlin der Weimarer Zeit vermittelt der Text laut Steinfeld auch die trivialen "Glücksfantasien" seiner Figuren, ohne sie zu denunzieren, und erzählt vom Opportunismus einer gesellschaftlichen Klasse, von Arbeitslosigkeit und dem Erwachen des Nationalsozialismus.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.01.2022

Rezensent Alexander Cammann freut sich über die Wiederentdeckung dieses Romans von Theodor Wolff, auch wenn er ihn nicht für ein Meisterwerk hält. Aber so schlecht, wie ihn die Zeitgenossen bei seinem Erscheinen 1937 beurteilten, ist er sicher nicht, meint der Kritiker: Natürlich erinnert die Geschichte des Bankers Ulrich Faber, der für eine junge Kommunistin aus einfachen Verhältnissen schwärmt, ihr eine Stelle besorgt und auf Zuneigung hofft, an Wolffs Leidenschaft für seine Sekretärin Ilse Stöbe, klärt Cammann auf. Aber der Roman ist mehr als das, versichert der Kritiker, der hier das erstaunlich hellsichtige Porträt einer Epoche in den Händen hält. Wolffs Schilderung der Feste der Oberklasse in den späten 1910er Jahren, der Krisen der Zwanziger und des Aufstiegs der Nazis lässt Cammann staunen über die psychologische Präzision des Autors, der dabei nie "wehleidig" wird.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 08.12.2021

Der hier rezensierende Literaturwissenschaftler Erhard Schütz verknüpft seine Besprechung dieser Neuauflage von Theodor Wolffs 1937 erstmals erschienenem Roman mit einem Porträt des Journalisten. Bald kommt der Kritiker aber auf den Roman zu sprechen, der bei seinem Erscheinen als "typischer Ullsteinroman" abgetan wurde: Älterer Mann begehrt Siebzehnjährige. Dabei ist das Buch viel mehr als das, versichert Schütz: Der im Jahr 1918 einsetzende Roman spiegelt die zeitgenössischen Umstände wider, Niedergang der Republik, Weltwirtschaftskrise, Generationenkonflikte etwa - "facettiert" allerdings, den Blick auf die radikalen Ränder meidend, wie der Kritiker schreibt. Wolff nimmt sich Zeit, dabei an Theodor Fontane erinnernd, arbeitet das "Schleichende der zersetzenden Prozesse" jener Jahre präzise heraus und ist in seiner genauen Beobachtung auch mit den Gerichtsreportagen von Gabriele Tergit zu vergleichen, staunt der Rezensent. Nicht zuletzt preist er das Buch als "Liebeserklärung" an Berlin.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 27.09.2021

Als Romanze taugt dieser Roman von Theodor Wolff nicht, baut Rezensentin Manuela Reichart falschen Erwartungen vor, die in der "Schwimmerin" vielmehr ein "beobachtungsstarkes" Porträt der späten Weimarer Republik sieht. Wolff, einst Chefredakteur des Berliner Tageblatts, erzählt darin von einem erfolgsverwöhnten Bankier, der in die politischen Kämpfe gerät und mit seinem liberalen, aber unpolitischen Hedonismus scheitert. Die Beobachtungen und Reflexionen zu Weimars Zerfall findet die Rezensentin durchaus interessant - und viel überzeugender als die Affäre mit einer jungen, wenn auch dezidiert modernen Frau, die der Emigrant in seinem südfranzösischen Exil beginnt.

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