Herausgegeben und kommentiert von Tobias Witt. Mit drei Abbildungen. Im Rahmen der Großen Brandenburger Ausgabe legt der Aufbau-Verlag jetzt Fontanes frühe Erzählungen vor. Liebesleidenschaft und Verführung beherrschen hier die Menschen, stürzen sie in den Untergang oder die Entsagung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2002
Matthias Richter hält bei allem Respekt für den späteren Meister der kunstvollen Erzählung mit seinem Urteil nicht hinterm Berg: Fontanes früheste Ergüsse seien "überaus exaltiert und sentimental", also nicht gerade das, was man von dem berühmten Dichter kenne und erwarten würde. Aber die fünf erstmals außerhalb der Gesammelten Werke separat erscheinenden Geschichten stellen ja auch buchstäblich den Anfang von Fontanes poetischer Entwicklung dar: "Geschwisterliebe" war gar der allererste Text von Fontane, der abgedruckt wurde! Im Laufe der fünf Geschichten lässt sich Richter zufolge deutlich ablesen, wie der Schriftsteller allmählich den zunächst kitschigen Stil zugunsten seines später charakteristischen Duktus ablegte. Dennoch wirke es schlicht überzogen, dem 120-seitigen Text einen fast ebenso starken wissenschaftlichen Apparat mit Informationen zur Stoffgeschichte, Entstehung, Überlieferung, Interpretation und ein Variantenverzeichnis beizufügen. Und: Der Debüttext beispielsweise sei "grauenhafter Kitsch, hohl und falsch vom ersten bis zum letzten Wort". Da seien milde, Rettung bezweckende Worte des Herausgebers völlig unangebracht und illusorisch.
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