Ein Roman über die Sehnsucht nach Unsterblichkeit. Johanna Mawet ist Molekularbiologin und forscht an Zebrafischen zur Unsterblichkeit von Zellen. Während eines Forschungsaufenthalts in den USA gabelt sie einen merkwürdigen, alterslosen Herrn auf. Je näher sie ihn kennenlernt, desto abstrusere Erfahrungen macht sie mit ihm. Schließlich gibt er sein Geheimnis preis. Er sei der Physiker Johann Wilhelm Ritter, geboren 1776. Starker Tobak für eine Naturwissenschaftlerin von heute. Um seiner vermeintlichen Unsterblichkeit auf die Spur zu kommen, lässt sie seine DNA sequenzieren. Als Johannas Kollegen misstrauisch werden, bleibt dem sonderbaren Paar nur eines: die Flucht, dorthin, wo das Streben nach wissenschaftlicher Erkenntnis und schwarze Romantik sich schon immer gerne ein Stelldichein geben - nach Deutschland.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.05.2016
Was hätte diese Geschichte, die sich ganz der Forschung nach Unsterblichkeit widmet, für ein Potential gehabt, seufzt Rezensent Burkhard Müller. Thea Dorn ist thematisch am Puls der Zeit, weiß eindrucksvoll zu erzählen und scheitert dennoch mit diesem Roman, fährt der Kritiker fort, dem das Buch schlicht zu lang ist. Denn die Autorin packt es mit derart vielen absurden Wendungen voll, dass sich im Verlauf der Lektüre viele der bis dahin relevanten Erträge als redundant erweisen, moniert Müller. Dass die Autorin den hier auftretenden 1776 geborenen Naturforscher Johann Ritter mit einem von ihr eigens zusammengebastelten goethezeitlichen Altfränkisch ausstattet und einige "slapstickhafte" Auftritte, etwa an der Flughafenkontrolle, hinlegen lässt, findet der Rezensent allenfalls sympathisch, und so legt er das Buch nach der Lektüre schließlich ohne größere Nachwehen zur Seite.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2016
In jedem Fall ist Rezensent Tilman Spreckelsen dankbar, dass Thea Dorn in ihrem neuen Roman "Die Unglückseligen" einen der faszinierendsten Wissenschaftler der Romantik wiederbelebt: Sie erzählt hier die Geschichte des Physikers Johann Wilhelm Ritter, der sowohl die Elektrizität erforschte als auch über das Wesen der Natur spekulierte und verbindet diese mit aktuellen molekularbiologischen Forschungen bis zum Okkultismus, informiert der Kritiker, der all das erhellend und unterhaltsam fand. Auch Dorns Idee, Ritter bis in die Gegenwart leben zu lassen, ihm die junge Wissenschaftlerin Johanna zur Seite zu stellen, die an ihm die Regenerationsfähigkeit des Körpers erforscht und interessante Diskussionen mit ihrem Versuchsobjekt führt, gefällt dem Rezensenten ausgesprochen gut. Allerdings wird man sich an Dorns Sprache gewöhnen müssen, warnt Spreckelsen: Textpassagen im Deutsch des 18. Jahrhunderts werden in den Roman montiert, nicht alle Wortspiele glücken, bisweilen "klappern" die Jamben und die konsequenten Verweise der Autorin auf die Zusammenhänge sind dem Lesefluss auch nicht immer dienlich, befindet der Kritiker.
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