Teresa Präauer

Johnny und Jean

Roman
Cover: Johnny und Jean
Wallstein Verlag, Göttingen 2014
ISBN 9783835315563
Gebunden, 208 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Mach gute Kunst! Nichts Geringeres haben Johnny und Jean im Sinn, als sie sich nach dem Sommer in der Kunsthochschule wieder begegnen. Ein Sprung ins kalte Wasser steht am Beginn dieser Geschichte, und hundert Schritte sind noch zu tun für eine Weltkarriere in New York und Paris. Was dabei hilft: die Einflüsterungen der Alten Meister, gut gespitzte Buntstifte und eine Flasche Pastis.
Und manchmal hilft das alles überhaupt nicht. Was, wenn man beim Anblick von Blumen an Geschlechtsteile denkt? Was, wenn einen beim Baden die Polizei verhaften will? Was, wenn die Pin-up-Girls den Magazinen davonlaufen? Wenn Europa in Flammen steht? Wenn einen der Wärter aus dem Museum wirft? Wenn der eigene Vater ein riesiger Zwerg ist? Wenn man Frauen mit französischen Vornamen liebt? Wenn man sich einen Goldzahn im Munde wünscht? Wenn die Kunst zu viele Katzen hat? Wenn der Teufel selbst unter Burnout leidet? Wenn man ohne Geld nach Zürich will? Wenn man Björk heiraten möchte?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.03.2015

Gerne überlässt sich Gerhard Melzer dem Verschwimmen von Realität und Fantasie in Teresa Präauers Künstlerroman "Johnny und Jean", in dem zwei junge Künstler aus ausreichend ähnlichen Verhältnissen in die Stadt kommen und auf sehr unterschiedliche Arten, die gewissermaßen Archetypen sind, im Kunstgewerbe aufschlagen, Jean geschäftstüchtig aber angepasst, Johnny scheu und eigenwillig, fasst der Rezensent zusammen. Präauer beschreibt auch die künstlerische Entwicklung, weg von der "schieren Abbildung des Gegebenen", hin zu einem fantasievollen Umgang mit dem Wirklichen, den die Autorin auch für ihr eigenes Buch in Anspruch nimmt, erklärt Melzer. Besonders schön findet der Rezensent, wie selbstironisch Präauer mit den typischen vielfältigen Referenzen umgeht: "Gleich ist Schluss mit dem Namedropping", lässt sie Johnny zu seiner Mitbewohnerin Valerie sagen, die sich noch Künstlernamen um die Ohren hauen, bevor sie miteinander ins Bett gehen, zitiert Melzer.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.03.2015

Judith von Sternburg ist ein bisschen enttäuscht von Teresa Präauers Künstlerroman. Was für die Rezensentin so vielversprechend mit dem Entwurf einer Verbindung zwischen zwei jungen Männern aus dem Nichts, also aus der reinen Fantasie, beginnt, erhält im Verlauf des Romans keine Steigerung oder Wendung, klagt Sternburg. Dass die junge Autorin witzig und treffend im Künstlersprech über Kunst und das Akademiemilieu erzählen kann, steht für die Rezensentin außer Frage. Nur dass Präauer die Ebene des Amüsanten und nur Unterhaltsamen nicht verlässt, keine tragischen, existenziellen Verwicklungen sich ergeben, wie Sternburg immer erwartet, lässt die Rezensentin letztlich unbefriedigt zurück.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 28.02.2015

Melancholisch und federleicht findet Maike Albath den Roman von Theresa Präauer. Die mit Rückblicken auf die Kindheit gespickte Geschichte der beiden Kunststudenten Jean und Johnny erzählt die Autorin für Albath von Anbeginn in einem sehr eigenen Ton, mit einnehmendem Tempo und einer sentimentalitätsfreien Mühelosigkeit, die Albath erstaunt und sie schnell erkennen lässt: Hier handelt es sich nicht um die übliche bundesrepublikanische Jugenderinnerungsprosa. Zu versiert verfährt Präauer mit der Perspektivik, mit Rhythmus, Zeitgestaltung und Satzzeichen, um das Lebensgefühl ihrer jugendlichen Figuren einzufangen. Der episodische Charakter des Textes scheint Albath genau dazu zu passen. Dass Präauer den Leser auch unaufdringlich und doch packend mit der Psychologie der Figuren vertraut macht, gefällt Albath gleichfalls und lässt sie beim Lesen an Capotes "Sommerdiebe" denken und natürlich an Truffauts "Jules et Jim"

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 31.01.2015

Ina Hartwig macht sich Gedanken darüber, was es heißt, dem melancholisch machenden Überfluss zu trotzen, damit zu leben. Angeregt durch Teresa Präauers Roman, einem verspielten Künstlerroman, wie Hartwig das Buch bezeichnet, um zwei ungleiche Kunststudenten, scheint ihr vieles möglich. Der heiter bejahende Ton des Textes gefällt ihr, ebenso sein Anspielungsreichtum und eine Nonchalance, die Hartwig als Mischung aus Fülle und Verrücktheit, Melancholie, Spott und Mitgefühl definiert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.08.2014

Mit Teresa Präauers Roman "Johnny und Jean" kann Rezensentin Carin Lorch leider nur wenig anfangen. Als Entwicklungsroman möchte das Buch wohl gelesen werden, glaubt die Kritikerin, muss aber bald feststellen, dass sich die Protagonisten, die hier gemeinsam an einer Berliner Kunsthochschule studieren, nur wenig entwickeln. Auch die Verbindung der einzelnen Figuren untereinander erscheint Lorch eher blass. Und so liest sie neben viel Namedropping und ein paar netten Kunstwelt-Anekdoten zu früh abgebrochene Handlungsstränge, die das Potential des Romans leider verschenken.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.2014

Teresa Präauer wird als großes Talent der deutschsprachigen Literatur gehandelt, weiß Swantje Karich, mit ihrem zweiten Roman "Johnny und Jean" kann sie diesen Ruf verteidigen, so die Rezensentin. "Alles ist Vorstellung, nichts Handlung" in diesem Buch, verrät Karich, schon der erste Satz versetzt den Wahrheitswert des Folgenden mit einem skeptischen Beigeschmack: "Ich stelle mir vor, wie ich als Bub auf dem Land lebe.", zitiert die Rezensentin diese Eröffnung. Johnny verliert sich konstant in seiner Fantasie, die ihm jene Lust verschafft, die er im Leben zu missen meint, in dem Jean, sein Konkurrent, sein Freund, sein Vorbild, irgendwie immer zu brillieren scheint, fasst Karich zusammen. Die Rezensentin hat das Gefühl, dass sich zwischen den Zeilen dieses Romans etwas Größeres ankündigt, er kommt ihr wie ein Übergangsbuch vor, das sie mit Erwartung für das Kommende erfüllt.
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