Daily Soap
Roman

Kein und Aber Verlag, Zürich 2025
ISBN
9783036950624
Gebunden, 288 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Toni befindet sich im Auge eines Orkans: Zwischen ihren Eltern donnert es gewaltig, zudem fliegen ihr Verschwörungstheorien, alltäglicher Rassismus und ungeklärte Verwandtschaftsverhältnisse um die Ohren. Ruhe findet sie nur beim Schauen ihrer Lieblings-Soap. Als der Sturm ihr Wohnzimmer erreicht, muss Toni die Couch verlassen, um sich der Welt da draußen zu stellen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2025
Nora Osagiobares Debüt ist, so Rezensentin Sieglinde Geisel, eine furiose Satire, die "sprachlich virtuos und politisch furchtlos" sämtliche Tabus sprengt. Statt Betroffenheit bietet die 1992 geborene Autorin "Turbofiktion": absurde Figuren, rasante Verwicklungen, klug eingesetzte Fußnoten, lesen wir. Aus der Perspektive einer schwarzen Schweizerin, die zugleich Erzählerin und Kommentatorin ist, kippt Soap-Opera-Trash in Gesellschaftskritik. Osagiobare dreht den Spieß um, macht sich über den Rassismus der Schweiz ebenso lustig wie über deren "Cervelatprominenz", die Kunstszene oder die Waschküchenordnung, resümiert die Kritikerin. Geisel lobt zuletzt das Ergebnis als seltenes Kunststück: ein Roman, der Rassismus thematisiert, ohne eine "Opferpose" einzunehmen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.07.2025
Rezensentin Monika Rathmann freut sich über einen gelungenen Roman von Nora Osagiobare, die die woke und selbstzentrierte Gesellschaft aufs Korn nimmt. Im Stile einer titelgebenden Daily Soap zeichnet sie ihre Figuren nicht immer in vorteilhaftem Licht, die Protagonistin Toni zum Beispiel bleibt "erstaunlich passiv", als ihre Mutter ihre Familie mit den Familien der Männer zusammenführt, mit denen sie Affären hatte, erfahren wir. Aus dieser Situation entstehen allerlei turbulente Verstrickungen: Rassismusvorwürfe und Polizeigewalt spielen ebenso eine Rolle wie Verliebtheit und Verschwörung, gespickt mit dem Vokabular junger Internetnutzer und wunderbar bissig-überspitzt, wie Rathmann festhält. Osagiobare hat ihr vor Augen geführt, wie selbstgerecht die Zürcher Gesellschaft (und sicher nicht nur die) durchs Leben geht - bei dieser Daily Soap bleibt sie gerne noch bis nach der nächsten Werbepause dran.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.04.2025
In Nora Osagiobares Debütroman entdeckt Rezensentin Nadine A. Brügger "ein Stück eidgenössische Gesellschaftskritik", das mit der Auflistung der Protagonisten und ihres jeweiligen Vermögens beginnt. Ziemlich schrill sind die Karikaturen, die Osagiobare vornimmt, und damit für Brügger umso treffender: Die Protagonistin Anneli erlebt eine sogenannte "Überschwängerung", das heißt, sie wird von zwei Männern gleichzeitig schwanger, eines der Kinder hat eine weiße Hautfarbe, das andere wird als "Cappucino" beschrieben. Hautfarbe spielt generell eine wichtige Rolle, erfahren wir, Rassisten sind zwar "abstrakte Fiuren mit Schwarz-Weiß-Neurosen", doch der schwarze Künstler Efe nimmt auch ihre Aufträge an, denn "auch Rassisten haben leere Wände", heißt es. Es gebe in der Satire sogar ein Bundesamt, das sich um Farbzuschreibungen kümmere, abgekürzt heiße es "BARACK." Brügger merkt dem Roman an, dass die Autorin beim Austüfteln dieser Überschreitungen großen Spaß gehabt haben muss, auch wenn der Anlass - die rassistische Schweiz, die sie selbst erlebt hat - ein bedrückender ist. An einigen Stellen hätte sich die Kritikerin noch mehr sprachlichen Tiefgang gewünscht, aber auch so verrät ihr der karikierende Stil viel über die Abgründe dieses Landes.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 20.03.2025
Rezensent Valentin Wölflmaier ist hingerissen von dieser "Meta-Seifenoper" um zwei Schweizer Familien: Da ist die Mutter, die mit mehreren Männern schlief, was zu zwei Töchtern führte: die eine das Kind eines nigerianischen Vaters, die andere das Kind eines weißen Schweizers, der wiederum einen schwulen Sohn mit einer anderen Frau hat. Es geht um "Liebe, Sex und Eifersucht", so der Rezensent, aber auch um Rassismus. Das ist flott geschrieben und hat Tiefe, lobt er, wenn ein Mord geschieht, den niemand bemerkt. Ein "gelungendes Debüt", findet der Rezensent.