Tanja Dückers

Cafe Brazil

Erzählungen
Cover: Cafe Brazil
Aufbau Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783351029135
Gebunden, 203 Seiten, 15,29 EUR

Klappentext

Tanja Dückers erzählt in ihren Geschichten von ganz normalen Nervtötern, leichtsinnigen Kindern oder verwirrten Großmüttern: Nathalie hat mit fünfzehn angefangen, eine Liste über ihre Liebhaber zu führen. Nun sind es - sie hat vor zwei Tagen nachgezählt - neunundneunzig. Plötzlich bereut sie, diese Liste angelegt zu haben, eine ungute Ehrfurcht erfüllt sie und ein Problem: Wer wird die goldene Nummer hundert? Schwankend zwischen Zwanghaftigkeit und Selbstvergessenheit, wählt sie einen seltsamen Kompromiss. Lukas kommt mit einem Nachschlüssel in die Wohnung seiner früheren Freundin, die jetzt mit Uwe, dem absoluten "Anti-Lukas", zusammenlebt. Wenn die beiden nicht zu Hause sind, schleicht sich Lukas ein und hinterlässt Spuren, um ein Moment von Irritation in die Pärchenharmonie einzufädeln ...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.07.2001

Eva Marz hat in diesen Erzählungen einen Gegensatz zwischen Romantikern und "Pflichtmenschen" entdeckt. Dabei gilt ihre Sympathie eindeutig den Romantikern, die zwar "in der Minderzahl (sind) und die schlechter bezahlten Jobs ausfüllen", doch in den Erzählungen Dückers' letztlich die Gewinner sind. Allerdings findet die Rezensentin die Pflichtmenschen hier wesentlich überzeugender und subtiler gezeichnet, etwa wenn die Autorin einen Mann beschreibt, der immer bunte Hemden anzieht, bevor er in eine südamerikanische Bar geht oder einen Kunststudenten, der brav seine braunen Halbschuhe unter das Bänkchen stellt, wenn er eine Kommilitonin besucht. Die Romantiker zeichnen sich in Dückers' Erzählungen, so Marz, vor allem durch Erotik aus, allerdings ist das der Rezensentin dann letztlich doch zu wenig. Zwar gefällt es ihr, dass die Autorin hier für "Eigensinn, fürs Anderssein" eintritt. Doch fragt sich Marz, ob Dückers damit "nicht längst offene Türen einrennt".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2001

Dorothea Dieckmann war offenbar schon von Dückers früherem Roman "Spielzone" nicht begeistert und erinnert in ihrer Rezension an die Protagonisten dieses Buchs, die - geplagt von "nervöser Langeweile" - von einer Bar zum nächsten Club tingeln. Ähnlich geht es nach Dieckmann nun in diesen Erzählungen weiter. Gleich mehrfach werden Männer von ihren Frauen auf Kneipen- oder Restaurant-Toiletten betrogen, und auch Mord spielt eine große Rollen in den Erzählungen, so die Rezensentin. Doch die Art und Weise, wie das geschieht, hat sie nicht gerade vom Hocker gerissen. Dückers Sex-and-Crime-Mischung findet sie kein bisschen aufregender als die Regenbogenpresse im Zahnarzt-Wartezimmer: "Pulp fiction provinziell", lautet ihr Fazit, so aufregend, wie wenn ein Vorgesetzter in einer Cocktailbar sein Jackett auszieht und seine Angestellte "drei Blusenknöpfe öffnet".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.03.2001

Auch wenn die Autorin den Leser in ihren Erzählungen vor allerlei Persönlichkeiten und Angewohnheiten warnt und damit manche Freude an Althergebrachtem nimmt - Thomas Kraft hatte während der Lektüre spürbar Spaß daran. Denn langweilig sind die Geschichten der 1968 geborenen Berlinerin keinesfalls, meint der Rezensent. Zumindest für diejenigen, die sich für das Leben junger Frauen und Männer jenseits von "Pärchenharmonie" und schöner Gleichförmigkeit interessieren. Kraft haben allerdings nicht alle Geschichten gleich gut gefallen. Manche findet er eher "blass und belanglos", in anderen seien die Figuren stärker als der Plot. Trotzdem. Der Rezensent ist von Tanja Dückers süffiger und "hart am O-Ton" orientierten erzählerischen Qualität beeindruckt. Café Brazil ist ein Buch, das er trotz oder gerade wegen all der darin enthaltenen Warnungen empfiehlt.
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