Jan Böttcher

Das Kaff

Roman
Cover: Das Kaff
Aufbau Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783351037161
Gebunden, 269 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Familie, Freunde, Erinnerung? Darauf hat Architekt Michael Schürtz nie etwas gegeben. Er ist für die Karriere in die Großstadt gezogen und kehrt nur widerwillig für einen Bauleiterjob in seinen Heimatort zurück. Doch die Menschen kommen ihm näher, als er möchte. Und irgendwann muss er einsehen, dass er nie mehr war als das: ein Nobody aus einem Kaff in der norddeutschen Tiefebene. Und dass sein Leben hier und jetzt beginnen kann.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.06.2018

Rezensent Christoph Schröder hat Jan Böttchers Romanhelden Michael Schürtz dabei beobachtet, wie der "arrogante Snob" in Designerjeans wegen eines Bauprojekts in "Das Kaff" zurückkehrt, in dem er aufgewachsen ist. Gekonnt habe Böttcher Schürtz mit sämtlichen stereotypen Vorurteilen zum Leben in der Provinz ausgestattet, um sie dann Stück für Stück bröckeln zu lassen, so der Rezensent. Dabei rolle der Protagonist nach und nach seine Familiengeschichte auf, die Schröder inhaltlich zwar eher banal, aber immerhin unterhaltsam beschrieben fand. Am besten hat ihm gefallen, wie Schürtz dank Rückkehr zu seinem alten Fußballclub und all der Emotionen, die der Sport mit sich bringt, eine Katharsis erlebt und mit reichlich Verspätung doch noch Heimatgefühle entwickelt. Alles in allem empfand Schröder die Geschichte aber ein wenig zu vorhersagbar und auch zu wenig bedeutend für ein Stück große Literatur.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.05.2018

Rezensent Paul Jandl hält fest: Ein unsympathischer Held macht noch keinen unsympathischen Roman. Und eine Tragikomödie der Durchschnittlichkeit noch keinen Durchschnittstext, kann man hinzufügen. Jan Böttchers Geschichte um einen Heimkehrer wider Willen überzeugt den Rezensenten mit "vertikalen" Gefühlen, Bildern vom Sog der Heimatgefühle und der Hybris und einem offenen Ende. Von Berlin zurück in die Provinz, darüber lässt sich mit Ironie erzählen, meint Jandl, und so, dass es am Ende möglicherweise doch nicht als Niederlage erscheint.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2018

Wolfgang Schneider ist Jan Böttchers postmoderner Heimkehrerroman ein bisschen zu realistisch. Besonders in seiner Episodik im zweiten Teil gerät laut Schneider die Geschichte aus dem Blick. Psychologisch interessant findet er den Entwicklungsroman um einen aus Berlin in die Provinz zurückkehrenden Architekten aber dennoch, zumal der Autor seinen Antihelden recht genau zeichnet, wie der Rezensent anerkennt, auch wenn er alles andere als sympathisch rüberkommt. Die innere Feindseligkeit des Protagonisten und ein "nicht ganz durchsichtiges" Familiendrama, das sich in der zweiten Hälfte herausschält, geben dem Roman laut Schneider Tiefe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.04.2018

Rezensent Hans-Peter Kunisch kann sich nicht recht entscheiden, ob und wenn ja wie viel Sympathie er Jan Böttchers in seiner Halbstarken-Attitüde leicht beschränktem Ich-Erzähler entgegenbringen soll. Mal fürsorglich herzlich, mal "brutal dumm", hat er wenig, was ihn empfiehlt, aber als Typ scheint der dem Rezensenten recht naturgetreu gezeichnet. Es geschieht nicht viel in dem "Kaff", in dem Michael aufgewachsen ist und in das er nun als Bauleiter für einen Auftrag zurückkehrt, lesen wir. Langweilig wird es trotzdem nicht, weder für Michael, noch für den Leser, so Kunisch, denn, wo wenig geschehe, "reicht wenig, um ein Leben zu verderben". Die Probleme und Auseinandersetzungen zwischen den Figuren in Böttchers Roman sind fast schon lächerlich bedeutungslos, doch dass sie selbst sie als so eklatant empfinden, macht den besonderen Reiz des Buches und seine "Wahrhaftigkeit" aus, findet der Rezensent. Auch die meist schroffe, schlichte Sprache der Prosa überzeugt ihn. Nur wenn Böttcher über den Job von Michael schreibt, wirds "facharbeiterhaft", so der abwägende Rezensent.
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