Steffen Mensching

Lustigs Flucht

Roman
Cover: Lustigs Flucht
Aufbau Verlag, Berlin 2005
ISBN 9783351030537
Gebunden, 328 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Ernst Lustig, 44 Jahre alt, geschieden, arbeitsloser Literaturwissenschaftler, steckt in einer tiefschwarzen Krise. Er fragt sich, ob sie durch die junge Geliebte oder eher durch seine alten Vorurteile verursacht wird. Hinter den ungewöhnlichen PR-Methoden seines Verlages wittert Lustig Trivialisierung. Weil er mit dieser Welt nichts mehr zu tun haben will, schließt er sich in seiner Arbeitswohnung ein, mit dem Vorsatz, sie nicht eher zu verlassen, bis er sein ins Stocken geratenes Schiller-Buch vollendet hat. Doch wie lange reichen die Essensvorräte? Wer leert den Briefkasten? Was tun, wenn jemand an der Tür klingelt? Freunde schicken E-Mails und fordern Erklärungen über sein Verschwinden. Um seine Abwesenheit zu begründen, erfindet der überzeugte Anti-Tourist seine erste Auslandsreise. Ein Einfall, der zunächst Entlastung bringt, bis die Freunde ausführliche Berichte über das Reiseland anfordern. Lustig muss sich etwas einfallen lassen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.01.2007

Durchaus amüsiert hat sich Sabine Brandt bei der Lektüre dieses Romans von Steffen Mensching. Gleichwohl scheint ihr der Autor ein wenig zu dick aufgetragen zu haben. Die Geschichte um einen gescheiterten Akademiker Mitte Vierzig, der sich in seiner Berliner Wohnung verschanzt, um eine historische Studie über Schiller zu Ende zu bringen, stattdessen Freunde und Schwester mit E-Mail-Berichten über seine erfundene Asien-Reise bei Laune halten muss, nimmt ihres Erachtens recht abstruse Ausmaße an. Pleiten, Pech, Pannen werden in Hülle und Fülle geboten. Lernen kann Brandt aus alldem "eigentlich nichts". Dass sie dem Held des Romans, Ernst Lustig, dennoch über die gesamte Strecke folgt, verdankt sich weniger Menschings "abstrusen Einfällen", als seinem "munteren Stil".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.07.2006

Ein glücklicher Roman über unglückliche Umstände, preist Rezensent Werner Jung ohne Umschweife, vor allem für Liebhaber "intertextueller" Bezüge sei das Treiben des Helden mit dem programmatischen Namen Ernst Lustig eine Herzensangelegenheit. Als von Freundin und Arbeit verlassener promovierte Schiller-Experte mache Ernst Lustig aus seiner Krise in der Mitte des Lebens ein literarisches Experiment und verfasse fiktive, aber "lebenssatte" Reiseberichte. Mit dem letzten Satz des Romans "Ernst ist das Leben, Lustig ist die Kunst" dechiffriere Steffen Mensching nicht nur den Namen seines Helden, er biege auch das Schillerzitat von heiter zu lustig gewissermaßen poetologisch um. So konnte Mensching einen lustigen Roman schreiben, der eher zu Jean Pauls satirischem Humor als zu Schillers ernster Heiterkeit schielt, meint der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.02.2006

Steffen Mensching beschreibt in "Lustigs Flucht", wie ein ehemaliger Bürger der DDR, gescheitert an einer Universitätskarriere, jetzt beauftragt mit dem Abfassen einer Schiller-Biografie, sein Leben Revue passieren lässt und sich an allen Ecken und Kanten des kapitalistischen Warenrummels blutig schlägt. Insgesamt findet die Rezensentin das alles "etwas zu humorig", und auch der Protagonist, ein Sonderling, der sich ausschließlich von Tütensuppen und dem Chinabringdienst seines Vertrauens ernährt, macht ihr einen "überanstrengten" Eindruck. Dass der ganze Roman ein wenig ins Leere geht - diesen Eindruck teilt auch die Rezension mit, die, getreulich berichtet, was denn auf den 328 Seiten geschieht - und das ist, im Grunde, nicht viel. Da sitzt einer in seiner Wohnung, rasiert sich unter der Dusche, trinkt Whisky und ist verzweifelt, weil er sein Leben verpfuscht hat. Und dann eben, als sie zum Ende kommt, stellt Killert klar, dass sie schon den ersten Satz des Buches für dessen wesentlichen hält: "Wäre mein Leben ein Roman, ich würde ihn nicht lesen." Was etwas anderes ist als eine Empfehlung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.12.2005

Ernst Lustig - der Name des Protagonisten ist Programm. Leider nur der Nachname, seufzt der Rezensent Uwe Stolzmann. Steffen Mensching habe auch im vorliegenden Roman viel an "Wortwitz" zu bieten, "einmal derb proletarisch, dann wieder hintersinnig-fein". Doch in der Geschichte um den Germanisten Ernst Lustig, der sich in einer Berliner Wohnung verschanzt und, dort versauernd, an einer Schiller-Biografie arbeitet, während er per e-mail vorgibt, in weiter asiatischer Ferne zu weilen, nimmt der groteske Humor Überhand. Gleich mit mehreren Ticks hat der Autor seine Figur versehen: mit dem "Tick mit der Zeitrechnung", dem "Kalauer-Tick", dem "Schiller-Tick" und zuletzt dem Tick des "digitalen Autodafe" (das konsequente Löschen der Schiller-Dateien). Nur letzterem kann der Rezensent etwas abgewinnen, die anderen quittiert er mit den Worten: "Sehr hübsch, nur: Was bringt's?" Mensching hat in "Lustigs Flucht" ein "Feuerwerk subversiver Ideen" angelegt, "nur geht es nicht recht los", so das Fazit des Rezensenten. Es fehle ihm einfach der Ernst aus Menschings letztem Roman, "Jakobs Leiter".
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