T.C. Boyle

Zähne und Klauen

Erzählungen
Cover: Zähne und Klauen
Carl Hanser Verlag, München 2008
ISBN 9783446209954
Gebunden, 320 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Übersetzt aus dem Englischen von Anette Grube, Dirk van Gunsteren. T. C. Boyles neue Storys erzählen von selbstverschuldeten Schlamasseln, kosmischen und Naturkatastrophen. Ein junger Mann nimmt eine Raubkatze aus Afrika zu sich, um ein Mädchen zu beeindrucken, und bald tobt sich in seinem Schlafzimmer die Natur ganz buchstäblich aus. Eine Frau tut sich nachts mit streunenden Hunden zusammen, des faden Vorstadtlebens mit Mann und Gärtchen überdrüssig - sie wird nicht lang allein bleiben. Ein Rentner sucht sich ein gemütliches Plätzchen in Florida aus, muss aber bald feststellen, dass sich dort wilde Kreaturen herumtreiben. Anderswo brausen Winde, wüten Schneestürme, fallen Meteoriten vom Himmel - der Mensch macht dabei stets eine traurige Figur.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.05.2008

Nicht alle Geschichten in diesem Band haben Rezensentin Irene Binal überzeugt, aber einige waren doch so gut, dass sie ihre offenbar seit langem gehegte Leidenschaft für T.C. Boyle neu entfachen konnten. Es sind Geschichten über das Leben in der und den Kampf gegen die Natur, oft auch die eigene. Manchmal erschienen Binal die Erzählungen, die alte Themen aufgreifen, wie die "Quintessenz" von Boyles Werk, manchmal wie ein "wehmütiger Abgesang auf seine frühere zappelig-nervöse Auseinandersetzung mit den Randfiguren der Gesellschaft". Am besten findet die Rezensentin die Geschichten immer dann, wenn der alte durchaus "enervierende", aber originelle Boyle durchscheint, wenn er Figuren zeichnet, die von der Gesellschaft gedrängt werden, sich anzupassen und selbst zu verleugnen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2008

Hier spricht offenkundig ein Kenner und Bewunderer des T.C. Boyle?schen Werks. Bestaunen nur kann Andreas Platthaus die Produktivität dieses Autors, der nicht nur Roman um Roman schreibt, sondern sich mit großem Fleiß auch der kleineren Form widmet. Dies schon der dritte Sammelband mit Erzählungen in deutscher Übersetzung, wobei es noch mancherlei unübersetzte Originale gibt. Eigentlich, das kann man Platthaus' durchweg freundlicher Besprechung auch entnehmen, hat Boyle nur ein großes Thema: Die Verfallenheit des Menschen an die, insbesondere eigene Natur. Das Unglück, das beinahe alle Figuren in diesen Erzählungen heimsucht, ist den Versuchen gedankt, sich von der Welt, der Natur durch Beobachtung und den Intellekt zu distanzieren. In der in Feuerland angesiedelten Erzählung gibt es zwar ausnahmsweise etwas wie ein Happy End, jedoch bringt die Karikatur eines Amerikaners alles durcheinander und der Titel "Geblendet" konterkariert den glücklichen Ausgang im Lichtspektakel obendrein. Besonders würdigt Platthaus, dass Boyle, anders als in den konventioneller gearbeiteteren Romanen, sich in den kürzeren Texten "Prosaexperimenten" aufgeschlossen zeigt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.03.2008

Leicht und glänzend sei diese Prosa, schreibt Rezensent Christian Seiler hingerissen von T. C. Boyles siebtem Erzählungsband und fügt seiner Eloge gleich noch eine ganze Reihe lobender Adjektive, wie "lustig", "tragisch", "wesentlich", und "verschwenderisch" hinzu. Alle vierzehn Geschichten spielten in unterschiedlichen Jahrhunderten, frästen sich durch unterschiedlichste gesellschaftliche Milieus und seien auch in ihrer Tonlage höchst verschieden. Trotzdem seien sie alle von der gleichen virtuosen Schreibökonomie durchdrungen, die der Leseerfahrung des Rezensenten zufolge sofort zu verstärkten Suchterscheinungen führt. Seiler ist außerdem sehr  beeindruckt vom Einfallsreichtum dieses Autors, in dessen "skurrilem Universum" er gut sitzende Pointen und interessante Figuren reifen und blühen sieht, die Boyle seiner Beschreibung zufolge dann in ebenso virtuos wie leicht "dahinskizzierte Szenarios" baue - andere Autoren hätten aus dem Stoff dieses Erzählbandes ein Lebenswerk gebastelt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2008

Herrlich amüsiert hat sich Kristina Maidt-Zinke mit T. C. Boyles jüngstem Erzählband, als dessen übergeordnetes Thema sie den Widerstreit zwischen Zivilisation und Wildnis sowie die Ängste und Phobien der amerikanischen Gesellschaft vor entfesselten Trieben festmacht. Gerade in der furchtlosen Mixtur von "Hochliteratur und Hollywood" sieht sie das Rezept für die geradezu süchtig machende Prosa Boyles, wobei sie zugesteht, dass seine Texte durchaus schwankende Qualität aufweisen. Insgesamt aber begeistert sie die Fähigkeit des amerikanischen Autors, sich in seine Figuren hineinzuversetzen und so eine allein reisende Dame des 18. Jahrhunderts mit der gleichen Anschaulichkeit vor Augen zu führen wie einen Junkie der 1960er Jahre oder einen Alkoholiker der Gegenwart. Maidt-Zinke räumt ohne Umstände ein, dass die Metaphern, die Boyle mit augenscheinlicher Lust am Entfernten und Abseitigen bemüht, manchmal geradezu idiotisch sind. Das aber mindert nicht das Vergnügen, das die Rezensentin an den vor Lebendigkeit strotzenden Protagonisten und ihren Eskapaden empfindet.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.02.2008

"Geradezu klassisch" findet Rezensent Frank Schäfer diesen neuen Erzählband von T. C. Boyle, in dem es seinem Eindruck zufolge nur auf den ersten Blick um Tiere geht. Tatsächlich jedoch behandelt Boyle der Ansicht des Rezensenten nach die "spannungsvolle Dychotomie" von Natur und Zivilisation, Affekt und Vernunft. Allerdings stößt Schäfer an Boyles modellhaften Erzählungen immer wieder ein gewisser Schematismus negativ auf, mit dem diese Versuchsanordnungen durchspielt werden, deren Struktur für den Geschmack des Rezensenten daher oft eine Spur zu schnell zu durchschauen ist. Auch verdichten sich beim Rezensenten, bei aller sprachlichen Meisterschaft, die er diesem Autor beim In-Szene-Setzen seiner Plots und Bilder bescheinigt, immer wieder Momente, die das böse Wort "Kunsthandwerk" provozieren.
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