Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Nikolaus Stingl. Kalifornien, 1969. Evie Boyd ist vierzehn und möchte unbedingt gesehen werden - aber weder die frisch geschiedenen Eltern noch ihre einzige Freundin beachten sie. Doch dann, an einem der endlosen Sommertage, begegnet sie ihnen: den "Girls". Das Haar, lang und unfrisiert. Die ausgefransten Kleider. Ihr lautes, freies Lachen. Unter ihnen ist auch die ältere Suzanne, der Evie verfällt. Mit ihnen zieht sie zu Russell, einem Typ wie Charles Manson, dessen Ranch tief in den Hügeln liegt. Gerüchte von Sex, wilden Partys, Einzelne, die plötzlich ausreißen. Evie gibt sich der Vision grenzenloser Liebe hin und merkt nicht, wie der Moment naht, der ihr Leben mit Gewalt für immer zerstören könnte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.08.2016

Zwei Millionen Vorschuss für ein Romandebüt? Katharina Granzin findet, Emma Cline hat das durchaus verdient. Atmosphärisch sicher, meint sie, fängt die junge Autorin die drogenschwangere Stimmung von 1969 ein sowie die Teenager-Sehnsucht nach Bestimmung und Gemeinschaft. Dass die auf den Geschehnissen um die Manson-Family basierende Coming-of-Age-Geschichte eine Rahmenhandlung nötig hat, scheint Granzin allerdings nicht zu finden. Wie die wohlstandverwahrloste jugendliche Protagonistin Evie in den Sog einer Sekte gelangt, kann ihr die Autorin einfühlsam schildern, die konstruierte Distanz scheint Granzin nicht unbedingt notwendig, sondern durchschaubar, und die gereifte Evie findet sie längst nicht so überzeugend wie die junge, gefährdete.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.07.2016

Emma Cline ist die große Sensation des amerikanischen Büchersommers, weiß Sven Ahnert. Die Idee, die Manson-Familie als Vorlage für ihren Roman "The Girls" zu benutzen, brachte der unbekannten Autorin schließlich einen saftigen Vorschuss ein, und der Verlag darf sich freuen, so der Rezensent, "The Girls" läuft bestens und der Kinofilm ist in Arbeit. Cline erzählt ihre Manson-Geschichte aus der Perspektive einer Teenagerin, die sich aus ihrer kaputten Familie in die scheinbar heile Welt einer Sekte und eines Gurus flüchtet, erklärt Ahnert. Die eigentlichen Morde nehmen dabei gar nicht so viel Raum ein, verrät der Rezensent: mehr Pubertät und Coming-of-Age, die Psychopathen liefern die schaurig schöne Kulisse. Wie schön, dass Clines Vertrag zwei weitere Bücher vorsieht, findet Ahnert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.07.2016

Selten hat Rezensentin Franziska Wolffheim einen derart fulminanten Debütroman gelesen wie Emma Clines "The Girls". Allein wie die junge Autorin einleuchtend nachzeichnet, wie ein junges unglückliches Mädchen auf der Suche nach Aufmerksamkeit in eine mörderische, an die "Manson Family" erinnernde Sekte gerät, ringt der Kritikerin größte Anerkennung ab. Dass sich Cline dabei eine gewisse Subtilität bewahrt, keine endgültigen Antworten liefert und so die Unheimlichkeit des Kontrollverlusts des Mädchens Evie bewahrt, findet Wolffheim nicht nur klug, sondern auch fesselnd. Beeindruckt zeigt sich die Rezensentin auch von Clines Idee, eine zweite Spannungsebene einzubauen, auf der die erwachsene, aus der Rückschau erzählende und isoliert lebende Evie selbst Ängste in dem Ferienhaus eines Freundes durchlebt. Nicht zuletzt lobt die Kritikerin das Vermögen der Autorin, in "poetischen Bildern" und mit psychologischem Feinsinn die Macht von Sekten und die seelischen Folgen für deren Anhänger glaubhaft darzustellen.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2016

Emma Clines Debütroman "The Girls" profitiert sicher von dem nicht enden wollenden Hype um Charles Manson, glaubt Sandra Kegel - um dann doch klarzustellen, dass es sich hier vielmehr um ein feinsinnig erzähltes, intensives psychologisches Drama über die Verführbarkeit junger Menschen durch Ideologien handelt, in dem Manson nur eine Nebenrolle spielt. Die Kritikerin liest gebannt die aus der Rückschau der erwachsenen Evie Boyd erzählte Geschichte, die sich als Vierzehnjährige aus dem "bürgerlichen Petaluma" der geschiedenen Eltern befreit und durch den Wunsch nach Anerkennung in die Sekte gerät. Während die äußeren Gründe für Evies Flucht der Rezensentin eher "holzschnittartig" erscheinen, ist sie von den Einblicken in diese Mädchenseele und Clines pointierten Sätzen tief beeindruckt.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 23.07.2016

Mutig findet Richard Kämmerlings den Versuch, vor dem Hintergrund der (leicht fiktionalisierten) Charles-Manson-Family und ihrer Morde des Sommers 1969 eine Coming-of-Age-Geschichte zu erzählen. Genau das tut Emma Cline. Für ihr mit Mitte zwanzig verfasstes Romandebüt "The Girls" soll sie einen Vorschuss von zwei Millionen Dollar erhalten haben. Für den Kritiker ist das nun auf Deutsch erschienene Buch ein sehr "beunruhigender, dunkelleuchtender", und zugleich hinreißender Roman. Es gehe darin um das 14-jährige Mädchen Evie, das - ihrerselbst noch unsicher und deshalb verführbar - in die Fänge der Family gerät. Die stärksten Passagen gelängen Cline, so Kämmerlings, wenn sie die "Girls" beschreibt, junge Frauen, zu denen sich Evie in einer Gemengelage aus "Freundschaft, Anbetung, Liebe und homoerotischem Begehren" hingezogen fühlt. Gelegentlich erschreckt sich der Leser gar vor sich selbst, warnt der Kritiker vor.